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-sr4^> Düsseldorfer Ausstellung -c^=^
Ferne ahnte. Aber wen auch diese grossen
Geschichtsbilder kalt lassen, uneingeschränkte
Zustimmung wird doch eben immer das eminente
Können finden, das hier zu uns spricht.
Janssen muss zugleich die gesamte Düsseldorfer
Monumentalmalerei repräsentieren.
Es fehlt als Monumentalkünstler ganz Fritz
Roeber mit seiner flüssigen Leichtigkeit und
seiner erstaunlichen Sicherheit der Formen-
gebung: seine letzten Schöpfungen müssen
ausserhalb der Kunstausstellung in der Kuppel
des grossen Hauptausstellungsgebäudes aufgesucht
werden. Von Ernst Roeber ist nur
ein älteres Bild da, höchst charakteristisch
für die Kunst der achtziger Jahre, Faust,
Helena und Mephisto, eine freie poetische
Weiterdichtung des Faustmotivs, mit einem
in jener älteren Technik glänzend gemalten
weiblichen Akt, und eine mit ganz modernem
Farbenempfinden gegebene Schlacht-
scene, der Anprall einer Patrouille des
5. westfälischen Ulanenregiments auf französische
Chasseurs, in der Dämmerung, mit
grosser Verve, dabei ganz weich, mit viel
Luft gemalt. Es fehlen auch Claus Meyer
claus meyer
Deutsch-Nationale Kunstausstellung zu Düsseldorf
und Willy Spatz mit ihren Monumentalschöpfungen
. Beide haben in Schloss Burg
an der Wupper in den letzten Jahren eine
lange Reihe von Wandmalereien vollendet und
beide haben dabei einen ganz neuen persönlichen
Stil entwickelt. Claus Meyer ist aber
würdig vertreten mit einem Bilde, das ihn
zum erstenmal auf religiösem Gebiete zeigt
- der zwölfjährige Jesus - - und einem entzückenden
kleinen Genrebild (Abb. s. unten).
Eine der vornehmsten und feinfühligsten
Künstlernaturen, die Düsseldorf zur Zeit besitzt
. Pieter de Hooch und der Delftsche van
der Meer hatten ihn in jungen Jahren allzusehr
in die Schule genommen und es schien fast,
als ob er über diese seine Interieurs mit den
Trinkern und Rauchern und schwatzenden
Weibsbildern nicht hinauswolle. Ganz überraschend
kam dann der frische Stil in seinen
Wandmalereien mit dem feinen genreartigen
Zug darin, aber zugleich eine Neigung zur Breite,
die bei ihm bisher geschlummert hatte. Und
welcher Ernst und welche Tiefe der Charakteristik
lebt in seiner Tempelscene. Der ungläubige
Zweifler auf der vorderen Bank, die mit
durchbohrenden Blicken an den
Lippen des seltsamen Knaben
hängenden Hörer der Mitte, die
aus dem Dunkel des Hintergrundes
sich langsam loslösenden
Kritiker — dazu hinten ein Ausblick
in eine helle Genter oder
Brügger Strasse, wie sie Memling
gemalt haben würde. Hier ist für
den Künstler der bedeutende Stoff
zugleich ein Zwang zur künstlerischen
Vertiefunggeworden. Und
man möchte Claus Meyer weiter
solch bedeutende Themen wünschen
— ich meine nicht Historien
, bei Leibe nicht Historien —
die nicht nur sein feines koloristisches
Empfinden, sondern auch
seine glänzende und echte Charakteristik
verlangen. Willy Spatz
ist mit einer in feinen gelbgrünen
Ton getauchten „Ruhe auf der
Flucht", einem Bilde voll von
feierlicher Ruhe und Andacht,
vertreten (Abb. s. S. 566), sonst nur
mit ein paar hübschen Kleinigkeiten
. Und er ist doch eine der
kraftvollsten und am tiefsten poetisch
empfindenden Künstlernaturen
in Jung-Düsseldorf. Mit einer
grossen Apotheose Homers tritt
Alex. Frenz auf, wieder in die
alten, phantastischen Bahnen wie
ein brief
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