Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 564
(PDF, 174 MB)
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~^ö> DÜSSELDORFER AUSSTELLUNG

ist ungezwungen aufgefasst. Es ist vielleicht
zu bedauern, dass Volkharts vornehme Kunst
nicht mehr solcher Vorwürfe gefunden hat.
Seine Auffassung erinnert hier an die bekannten
Knausschen Bildnisse in der Nationalgalerie
, ist aber weit weniger absichtlich als
in diesen. Fred. Vezin zeigt seine feine und
schlichte Auffassung im Porträt. Ganz für
sich in seiner kraftvoll breiten Manier und in
einer derben wuchtigen Charakteristik steht
Schneider-Didam. Was ist sein Bild des
Malers Dirks für ein Prachtstück (Abb. s. S. 569).
Er sieht nichts von Verzärtelung und Weichlichkeit
— und für unseren niederrheinischen
und westfälischen Stamm ist er ein Schilderer,
der manchmal fast an die Macht des Hals erinnert
. Wie delikat steht ihm gegenüber Walter
Petersen. Sein grosses Bild: „Meine Frau
und ich" (Abb. s. S. 571) ist ein raffiniert ausgesonnenes
Kunststück, virtuos gemalt, aber
an künstlerischer Wirkung stelle ich doch
sein Bildnis der schönen Frau P. darüber,
ein Pastellstück von entzückender Weichheit
der Farbe, das man ruhig neben ein paar
moderne Engländer hängen darf. Fritz
Reusing ist in der jüngsten Generation der
Düsseldorfer Bildnismaler wohl derjenige, der
am meisten Aufsehen erregt hat. Eine er-

MAX STERN TRÖDLER IM AMSTER-

Düsseldorfer Ausstellung DA AI ER JUDEN VIERTEL

staunliche Treffsicherheit und Leichtigkeit,
dazu ein feiner Geschmack und ein kräftiges
Farbengefühl. Seine „Mira" (Abb. s. S. 567)
blendet hier, wie im vorigen Jahr in München,
durch die wundervolle weiche Wirkung der
träumerischen Augen und des brennenden
roten Gewandes - - feiner und subtiler noch,
nur fast allzu raffiniert, ist ein modernes Bildnis
, das er selbst „Changeant" genannt hat: eine
Dame in Phantasiekostüm, den geschmeidigen
Schlangenleib leicht zurückbiegend, der herrliche
Nacken, über den das volle üppige Haar
hängt, der einzige Lichtmittelpunkt, das Gesicht
selbst ganz im Dunkeln, nur im Spiegel
sichtbar. Viel herber, kälter und ernster
steht dagegen Robert Boeninger mit einem
ausgezeichneten, fein charakterisierten Herrenporträt
— wie vornehm sprechen hier die
Hände mit. Zum Schluss seien hier noch
zwei Künstler unter der jüngeren Generation
genannt: THEODORFuNCKund LudwtgKeller,
deren Wollen und Können viel zu umfangreich
ist, als dass man sie einfach den Porträ-
tisten anreihen könnte. Funck stellt einmal
das Porträt einer Dame aus, mit hohem Tonempfinden
aufgefasst, die Sitzende in grünlichem
Gewand auf blaugrünem Grund,
noch glänzender aber ist sein Bild „Bei der
Witwe Prins" (Abb. s. S. 575). Das Interieur
einer Fischerwirtschaft ganz in Blau, auf
einer blauen Kiste ein alter Fischer plaudernd
neben der alten Wirtin, deren köstlicher Kopf
gerade gegen das einzige Fleckchen Weiss
steht. In der feinen und echten Charakteristik
, wie in dem tiefen und einheitlichen
Kolorit ist es eines der vorzüglichsten Bilder
der ganzen Gruppe. Auch Ludwig Keller
tritt zunächst mit ein paar Porträts auf (eines
abgebildet a. S. 556), bedeutend in der Auffassung
vor allem das Bildnis eines kühl und
ruhig in die weite Landschaft hingestellten
Holländers. Die ganze Energie seiner Kunst,
aber auch das Tastende, Experimentierende,
Vorwärtsstrebende giebt das seltsame Bild
der beiden Schwestern, von einer kühnen,
fast brutalen farbigen Wirkung. Ein weiblicher
Akt von einem Kohlenfeuer hell beschienen
, ein zweites Mädchen mit bunten
Stoffen ihr zur Seite, das ganze ein echt
künstlerisch erfasstes koloristisches Problem.
Ganz für sich steht endlich Alfred Sohn-
Rethel, der in Paris lebende Sohn von Carl
Sohn. Sein.Familienbild, das er „Maternitas"
getauft hat, die Mutter mit den beiden Kleinen
zu einer idealen Gruppe im Stil der Cinque-
centisten aufgebaut, grenzt schon gefährlich
an eine süssliche Manier, wenn man auch
hier des Künstlers Streben, sich auf anderen

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