Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 567
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0624
-jt^)- DÜSSELDORFER AUSSTELLUNG

■ aber es ist mir zweifelhaft, ob es gut war,
gerade von ihm eine Sonderausstellung zu
bringen. Die Enge seiner Motive, der geringe
Umfang seiner Palette kommen hier
mehr zur Erscheinung. Glänzend aber erscheint
in diesen selbstgesteckten Grenzen
sein Können.

Unter den Jüngeren ist an vorderster Stelle
Julius Bergmann zu nennen, der vor jetzt
fünf Jahren von Karlsruhe hierher übergesiedelt
ist. Als Professor für Landschaftsund
Tiermalerei hat er rasch Schule gemacht,
mit seiner frischen unmittelbaren Art des
Lehrens, und seine Schüler sitzen, wohin die
Landschafter gehören — draussen. Er ging
aus von der Tiermalerei, von seinem Lehrer
Zügel, und interessant war hier die langsame
Wandlung, die er durchmachte: immer
farbiger, immer mächtiger in den Flecken
sah er seine Kühe - das grosse Bild, das
die Düsseldorfer Galerie von ihm besitzt, ist
hier ein glänzendes Zeugnis für diese Breite
der Auffassung und Mache. Seine „heimkehrende
Schafherde" zeigt auch hier seine
virtuose Technik: was für ein volles wuchtiges
Licht liegt auf den Rücken dieser weiss-
wolligen Tiere: dieses Aufleuchten in der
feuchten Atmosphäre war ihm die Hauptsache
. Von der Tiermalerei ist Bergmann
zur intimen Landschaft fortgeschritten: er
knüpft hier an die alten Traditionen der Schule
von Barbizon an. Und ich sehe gerade in
der Art, wie er seine Landschaft hinstellt,
einen Höhepunkt der landschaftlichen Auffassung
— wie er mit sicherem Gefühl der
Raumausfüllung ein Motiv in das Bildmässige
umsetzt, dass es zuletzt als einzige Möglichkeit
einer künstlerischen Bewältigung dieses
Motivs erscheint. Wie wundervoll farbig sind
hier sein Fischzug bei hohem Wasser und
seine Mondnacht, die in seiner kleinen Kollektivausstellung
in Berlin erscheint. Für den
eigentümlichen Zauber des Flimmernden in
der feuchten nebeligen Luft schafft er sich
hier eine ganz neue Technik, eine fast pointil-
listische Manier, die die aufgelöste Weichheit
der Formen charakteristisch wiedergiebt.

Andreas Dirks steht mit viel kräftigeren
Tonwerten, aber fast brutal in seiner wuchtigen
Mache neben dieser feinen und überlegten
Naturempfindung. Adolf Lins, Eugen
Kampf, Hugo Mühlig, Erwin Günter,
Carl Becker sind in ihrer Eigenart längst
bekannt. Eugen Kampf war vielleicht einer
der ersten, der in Düsseldorf diese neue
frische Art, Luft zu sehen, lehrte. Unter
den Jüngeren möchte ich noch Max Claren-
bach und Erich Nikutowski nennen. Wie

würde das grosse Bild von Ciarenbach,
„Stiller Tag" (Abb. s. S. 576), mit dem ganz
gross, fast monumental aufgefassten einsamen
Kanal zwischen den beschneiten Ufern
wirken, wenn es nicht so durch seine Nachbarn
erdrückt würde. Und das ist das herzerfrischende
bei diesen Landschaftern, dass
sie die Schönheiten unserer heimischen
Scholle uns wieder gelehrt haben. Man
wittert den heimischen Boden ■ da ist der
Niederrhein, wie ihn W. H. Riehl gepriesen,
da sind die kleinen Rhein- und Moselstädte,
die westfälischen Wälder, da ist der herbe
Ernst unserer Eifel. Die Eifelausstellung,
die jüngst unter dem kunstsinnigen Trierer
Regierungspräsidenten in Trier veranstaltet
worden war, hat ein glänzendes Bild von
den malerischen Schönheiten dieses Landstrichs
gegeben. Einer unter den Düsseldorfern
steht hier voran, der des alten K. Fr.
Lessing Traditionen wieder aufgenommen hat,
Fritz von Wille (Abb. s. S. 574). Es ist
immer sein Lieblingssitz, Reifferscheid in der
Hocheifel, dem er seine Motive entnimmt -
aber wie hat ihm die frische Bergluft den
Blick geschärft für die farbigen Reize dieser

FRITZ REUSING MIRA

Düsseldorfer Ausstellung

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