Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 24
(PDF, 126 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0036
pereR BErjREns 01;

rafelgläfer * Ausgeführt uon der Rheinifchen
61ashütten R.-6. Köln-Ehrenfeld ********

Anbetung fehlt, ohne bas [ein reid]ftes Em=
pfinben fid] nerflüd]tigen muß. In klaren
tPorten kann niemanb fagen, roas er ferjnt;
über bas Inftinktioe kommen bie Beften nid]t
hinaus. Alan „betet zum feben"! Das ge=
nügt ber kleinen Schar kultiniertefter ln=
telligenzen, bie taufenb Entzückungen in biefen
UJorten zufammenpreffen; aber es bleibt ein
Sektenkultus. Immerhin! Das tPefentlid]e
ift, baß bas Dafein enblid] roieber als heiliges
Erlebnis aufgefaßt roirb. Sdjaffen mir Keime
unb möge bie Sonne ber 3eit fie reifen.

Die mebrzarjl ber Künftler kommt freilid]
nur bis zur Theorie; biefe finb roie Pferbe,
bie (Pein fahren unb IPaffer faufen. Ihre
Ibeen finb groß unb gut; irjr Ceben aber
meift ebenfo pbilifterrjaft trübe, roie bas bes
öeoarter fjanbfcrjuljrnadier. Die Kunftroerke,
bie ber großen fjarmonie bienen follen, roerben
gar zu oft einzeln, ohne 3ufarnmenhang mit
bem ibealen febensgebanken angefertigt; es
fehlt bie Folgerichtigkeit, bie ber feljre bas
Erlebnis folgen läßt.

Behrens hat bie Ibee zur febenskunft er=
hoben. Eine glücklid]e Veranlagung, bie bie
3roeifelfud]t faft nicht kennt, befähigt ihn ba,
roo flnbere fich nur ruckroeife zur Freube er=
heben, eine ftetigeEmpfinbung oon berlPürbe
bes febens in fid] zu unterhalten unb alles

fjanbeln oon berStimmung feftlicher 3uDerfid]t
leiten zu laffen. Ein folcher 3uftanb, roenn
er, roie hier, ungefucht erfcheint, muß bem
Träger unb feiner Kunft beroußte Ruhe mit=
teilen, eine fjaltung, bie gegen bie zappeligen
Mllüren moberner menfchen roie Pathos roirkt.
Unb hier ift ber Punkt, roo ber „öebilbete"
ftut?t. nichts ift oerbäcrjtiger als Pathos.
Im Theater, im „Spiegel unferer Sitten",
werben erhabene tPorte nur noch mit ben
fjänben in ber fjofentafcrje gefprochen; bie
Sdiaufpielerin, bie fid], bei einer Tirabe über
bie Sdjönheit, nicht ben Kopf kratft, fcheint
bem rid]tenbenPublikum nicht „roahr" zu fein.
Uerfe? Um fjimmelsroillen! roie unnatürlich,
nie zeigten menfchen roeniger tPürbe in
ihrem Auftreten, als bie ber öegenroart. Das
hymnifche Element ift ganz oerkümmert. Unb
bod] ift nid]ts hoffnungsooller als gerabe bie
öefürjlsroallung, bie fid], roie unter einem
3roang, großer flusbrucksformen bebient. Das
Pathos ift bie Sprache ber lllufionsfähigkeit,
bes Glaubens an ein Ibeal. nur kinbliche
menfchen, bie nod] heroifd] zu empfinben
roiffen, finb pathetifd]; nur Begeifterte benken
rhythmifd]; bionyfifcher öeift braucht bithy=
rambifche Form.

Dod] bie frud]tbarften Gefühle finb auch
bie empfinblid]ften. Die fiebe beroeift es.

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