Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 49
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PAUL MÖBIUS

GRABMAL IN FALKENSTEIN i.V.

BAUTEN VON PAUL MÖBIUS

Wir sind jetzt in der Anerkennung der
fortschrittlichen kunstgewerblichen Bestrebungen
glücklich so weit gekommen, dass
die Bauherren häufiger werden, die auch dem
Architekten gestatten, „modern" zu arbeiten.
Es bedurfte der Vorarbeit des leicht beweglichen
und weniger verantwortungsvollen
Kunstgewerbes, um das zu ermöglichen. Die
Art und Weise, wie diese Entfesselung sich
in unseren Grosstädten bemerkbar macht,
ist aber wohl geeignet, ein gewisses Grauen
einzuflössen: ein grosses Quantum stilisierten
Blumengerankes, einige unerwartete Linien
in der Fensterteilung, ein paar Schnörkel nach
belgischem Rezept, Gestalten, die plastisch gewordene
Mucha-Damen zu sein scheinen, das
sind die Requisiten, die in Stein oder Putz
übersetzt sich neuerdings als moderne Note
der Architektur breit zu machen versuchen.
Es rächt sich der leider nur zu oft gepredigte
Wahn, dass dekorative Mittel und Effekte,
die sich im Kunstgewerbe entwickelt haben,
auch der Schlüssel zu gleichartiger architektonischer
Gestaltung sein sollen.

Wir können wahrnehmen, dass sich bei
den architektonischen Erscheinungen unserer
Tage, die wirklich individuellen Charakter
zeigen, gar nichts vorfindet, was diesen modernen
Tischler- und Stuccateur-Effekten verwandt
ist. In der Stein-Architektur, und nur
von ihr wollen wir im Augenblick sprechen,
macht sich im Gegenteil eine gewisse Herbheit
und Verschlossenheit als charakteristisches
Element geltend, die weit absteht von
allem spielerig-gefälligen Dekorativen. Man
trachtet durch Mittel der Strenge und Entsagung
nach einem Ausdruck des Monumentalen
, der einen Ersatz bieten soll für die
Pseudo-Monumentalität, die in der Architektur
herrschte durch das ängstliche Klammern an
eine frühere grosszügige Monumentalsprache,
die man unter veränderten und enger zugeschnittenen
Verhältnissen meistens nicht
einmal historisch getreu, sondern nur verkümmert
zum Ausdruck bringen konnte.

Eine Sehnsucht nach Monumentalität beginnt
sich zu regen. Von vielen Seiten sehen
wir gleichzeitig in diesem Sinne Versuche

Dekorative Kunst. V. 2. November rgoi.

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