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-3*43ö> BAUTEN VON PAUL MÖBIUS <^=^
unternehmen, und in dieser Bewegung bilden
auch die Bauten von Paul Möbius ein
chaiakteristisches Symptom.
Die Mittel, in denen sein Streben zur
Monumentalitätsich ausspricht,beruhen einerseits
in einer Steigerung des Masstabes in
den Einzelheiten, andererseits in einem möglichst
starken Betonen des Massengefühls
paul möbius « detail von gegenüberstehendem
wohnhaus « « « «
in der Gesamterscheinung. Alle entbehrlichen
Details in Profilierung und Durchbildung
fallen fort zu Gunsten weich ineinander
übergehender oder kräftiggegeneinander
gesetzter Flächen; das tritt besonders in den
Gesimsbildungen zum Vorschein, die auch da,
wo sie beispielsweise eine Thür von ganz
gewöhnlichen Dimensionen bekrönen, sich
nur in wenigen starken Linienzügen bewegen.
Diese über das Mass des Einzelbedürfnisses
gesteigerten Dimensionen der Glieder sind
nötig, um sich der Gesamtmasse gegenüber
zu behaupten, die Möbius in seinen Bauten
wirken lässt. Die Pfeiler seiner Aufbauten
gliedert er nur in bandartigen Linienzügen,
so dass ihre Masse ungeschwächt zur Geltung
kommt, da aber, wo er Ornament anbringt,
dient es nicht dazu, eine Fläche aufzulösen,
sondern im Gegenteil verstärkt der dickflüssige
Zug seiner ornamentalen Bildungen
den Eindruck des Kräftigen und
Zähen. In den Teilen, die bekrönend
das Gebäude silhouettieren, liebt es Möbius
, die Wucht der Formen am meisten
zu steigern, so dass in manchen Fällen
der Eindruck des Gebäudes an ein Gefühl
streift, das der Beängstigung nahe
kommt. Einzelne Züge der Ornamentik,
in der Schlangen und mystisch-schreckhafte
Ungeheuer eine besondere Rolle
spielen, zeigen, dass dieser Eindruck nicht
unbeabsichtigt ist.
Es ist keine Frage, dass Möbius in
dieser Beziehung auffallend weit geht,
denn es sind einfache Etagenhäuser, an
denen er seine wuchtigen Effekte entfaltet
, aber diesem Bedenken gegenüber
muss man einesteils betonen, dass er
im Innern dieser Gebäude stets Räume
zu schaffen weiss, die völlig normalen
Ansprüchen entsprechen und trefflich beleuchtet
sind, andernteils aber kann gerade
das Etagenhaus es so notwendig
gebrauchen, dass man energisch versucht,
es in die Sphäre künstlerischer Wirkung
zu erheben, dass man ein etwas reichliches
Mass von künstlerischem Pathos
gerne in den Kauf nimmt. Wir wollen
Möbius wünschen, dass seinem echtmonumentalen
Sinn bald Aufgaben gestellt
werden, die aus der aufreibenden
Sphäre nüchternster Alltäglichkeit, die er
so mutig zu bekämpfen versucht, in ein
Gebiet freierer und höherer Bedeutung
herüberragen. Er zeigt schon bei diesen
Aufgaben, die ringsum dutzendweise im
öden Schema völliger Kunstlosigkeit erledigt
zu werden pflegen, dass er fähig
ist, mit ungewöhnlicher Konsequenz eine
Tonart durchzuführen, die er einmal angeschlagen
hat, und die Art und Weise, wie
er sich bei Bewältigung des freieren Vorwurfs
, der ihm in dem von uns abgebildeten
Grabmal gestellt wurde, giebt, bestätigt, dass
er starker poetischer Wirkungen durch rein
architektonische Mittel fähig ist. f. Sch.
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