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-sMs£> BAUTEN VON PAUL MÖBIUS <^=^
hingen im Osten zu veranstalten.
Es war im Anfange nicht leicht,
das Volk zum Besuche dieser, im
kleinsten Rahmen gehaltenen Ausstellungen
zu veranlassen. Nachdem
jedoch das Bedürfnis geweckt
war, erfreuten sie sich bald einer
solchen Beliebtheit, dass der Zulauf
ganz bedeutend wurde und der
Wunsch nach Errichtung eines
eigens für die Zwecke der Ausstellungen
bestimmten Gebäudes
immer lebhafter hervortrat. Dem
thatkräftigen Eintreten einiger
menschenfreundlicher Wohlthäter
ist es zu verdanken, dass er verwirklicht
werden konnte. Im März
d. J. wurde die erste Gemäldeausstellung
in dem neuen Gebäude
eröffnet, dessen eigenartige Front
jetzt die Hauptverkehrsstrasse des
Ostens von London ziert.
Der neue Bau wurde von dem
Architekten C. Harrison Town-
send errichtet und verkörpert
dessen, schon bei seinen andern
Werken bethätigten Kunstziele,
mit Vermeidung der historischen
Formen ein Gebilde zu schaffen,
das sich ganz und gar als ein Werk
unsrer Zeit, als ein Ergebnis einer
selbständig denkenden und empfindenden
Gegenwart zu erkennen
giebt. Wie vortrefflich ihm dies
gelungen ist, zeigt die Abbildung
auf Seite 56. Freilich fehlt dem
Baue noch der Hauptschmuck,
ein farbiger Fries in Mosaik,
welcher den Raum zwischen den
beiden Ecktürmen einnehmen
soll. Hierfür hat Walter Crane
einen Entwurf geliefert.
Er stellt „den Einfluss und
die Aufgaben der Kunst" in allegorischen
Figuren dar, und seine
Ausführung hängt lediglich von
dem Zeitpunkte ab, wo sich jemand
findet, der das Geld dafür
schenkt. Townsend hat sich auch
bei verschiedenen andern Gelegenheiten
Mühe gegeben, das Mosaik
in England einzuführen, so z. B.
in seinem eben vollendeten Horni-
man-Museum im Süden Londons.
Obsolchedem Rauch und Nebel ausgesetzten
Mosaikbilder sich in London
bewähren werden, erscheint
zunächst fraglich. Jedenfalls aber
paul möbius wohnhaus in leipzig
johannis-allee ««««
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