Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 54
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0066
-=3=4sg> KUNST FÜR DIE ARMEN

wird der Bau, wenn erst diesem sein Hauptschmuck
eingesetzt ist, eine Perle der Londoner
Architektur werden. Schon jetzt entzückt er
durch seine höchst eigenartige Gestaltung; die
Monumentalität der Gliederung stempelt ihn
selbst in seiner geringen Grössenausdehnung
zu einem weithin sichtbaren öffentlichen
Bauwerke, und das Riesenportal in seiner
trichterförmig sich nach innen verjüngenden
Form ladet sprechend zum Eintritt ein. Dieses
Portal ist seitlich aus der Mittelachse verschoben
, weil rechts daneben eine besondere
Thür für den Ausgang angelegt werden musste,
aber diese Verschiebung ist keineswegs unangenehm
zu vermerken. Neben dem Motiv
des Riesenportales läuft die übrige Architektur
darauf hinaus, einen Rahmen für das Mosaikbild
abzugeben, was sowohl die Reihe kleiner
Fensterchen, als die beiden Ecktürme, als
auch das überhängende Dach des Mittelteiles

thut. Der ganze Bau ist in Terrakotte errichtet.
Das wenige, als Blätterwerk auftretende Ornament
ist demgemäss in den Thon flach
modelliert, gebrannt und als Originalwerk
versetzt. Im Innern hat der Bau zwei Ausstellungssäle
übereinander und ein Oberlichtzimmer
, welche zusammen etwa 450 Bildern
Unterkunft gewähren.

Die erste Gemäldeausstellung fand in dem
neuen Gebäude vom 12. März bis 15. April d.J.
statt und hatte den ungeheuren Erfolg, täglich
etwa 10000 Besucher anzuziehend) Was dies
in einem ausschliesslich von Arbeitern bewohnten
Stadtteile heissen will, ist leicht zu
begreifen. Die ausgestellten Gemälde und
Zeichnungen waren hauptsächlich von Sammlern
entliehen, die sie im Hinblick des guten
Zweckes gern zur Verfügung gestellt hatten.
Nach welchen Gesichtspunkten aber die Ausstellung
zusammengestellt war, das verdient
die ganz besondere Beachtung.
Schon bei früheren Gelegenheiten
hatte sich gezeigt, dass
die Bevölkerung des Ostens
keinen Künstler so sehr bevorzugte
, als Burne-Jones. Inder
That waren es gerade dessen
Werke, welche den Ausstellungsgedanken
erst lebensfähig
gemacht hatten. Dies zeigte den
Instinkt des gewöhnlichen Volkes
für das Nationale in der
Kunst. Denn es giebt wohl heute
in keinem Kulturlande eine
nationalere Malerschule als die
der Präraffaeliten in England,
deren Bilder man in Reproduktionen
in jeder Hütte findet.
Die Präraffaeliten waren es denn
auch hier, welche die Hauptanziehung
ausübten. Von Burne-
Jones waren eine grosse Anzahl
Handzeichnungen zusammengebracht
, unter denen die reizenden
Studien zu dem allbekannten
Bilde „Venusspiegel"
wahres Entzücken erregten.
Nächst dem hauptsächlich durch
seine träumerische Melancholie
ansprechenden Burne-Jones
prangte der derbe und im echten
Volkston schaffende Ford Mad-
dox Brown mit dreissig Bildern
und Studien (hier bot sich eine

PAUL MÖBIUS

HAUSEINGANG

*) Die zweite Ausstellung, eine
solche von japanischen und chinesischen
Kunstwerken, fand im
August und September d. J. statt.

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