http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0069
-sx=^> KUNST FÜR DIE ARMEN <^=^
es gilt nur, dies endlich voll anzuerkennen
und dementsprechend zu handeln.
Was aber als wichtigstes Ergebnis der Ausstellungen
in Whitechapel angesehen werden
muss, ist die Thatsache, dass es hier wirklich
gelungen ist, den niedersten Volksschichten
eine lebhafte Neigung für Kunst abzugewinnen.
Nicht als ob hierdurch die Lösung der sozialen
Frage erreicht oder auch nur angeschnitten
wäre. Aber es ist den spärlichen Freuden
dieser Bevölkerungsklassen eine neue und
zwar eine solche beigefügt, die auf die Dauer
ihren veredelnden Einfluss auf Herz und Gemüt
, auf Sitte und Ordnung gar nicht verfehlen
kann, es ist erreicht, das Volk mit
dem Besten und Edelsten zu beschäftigen,
was die Menschheit hervorgebracht hat. Und
zwar dadurch, dass man dem Volke das beste
bot, was vom Standpunkt einer neuen nationalen
Kunst überhaupt möglich war: in einem
Gebäude von neuartigem, echt künstlerischem
Gepräge die Perlen der neueren englischen
Malerei. Denn wie nur die Kunst des Gegenwartslebens
, wenn sie sich überhaupt auf
volkstümlichem Boden bewegt, zum Volke
sprechen kann, so gilt auch gerade für das
Volk, was Goethe von den Kindern sagte: auch
für dieses ist „das Beste gerade gut genug".
London. H. Muthesius
äfi, tfi
e. erber « wandbehang
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0069