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TH. VAN HOYTEMA
die Sinne empfänglich zu machen für die
Neuheiten der bevorstehenden Ausstellungen.
Es wird mit Macht gerüstet und ein paar von
den beteiligten Künstlern haben mir beiläufig
zu verstehen gegeben, dass das bisher Geschaffene
wieder einmal völlig überwunden
sei durch die Dinge, die im Werden sind!
Nun, ich bin bereit, zu staunen.
Dr. Ludwig Abels
GESCHMÜCKTE MÖBEL
VAN HOYTEMA'S
In einem vorhergehenden Artikel (Bd. VII)
erwähnten wir beiläufig der Möbel, welche
van Hoytema künstlerisch bearbeitete. Jetzt
sind wir durch das Entgegenkommen deren
Besitzer im stände, einige Reproduktionen derselben
zu geben und wollen bei dieser Gelegenheit
kurz darauf zurückkommen.
Die Möbel wurden entworfen von dem Architekten
der Firma van Wyngaarden & Co.,
Herrn Verschuyl, und von blankem Holz, in
verschiedenen Nuancen gebeizt, angefertigt.
In das auf diese Weise präparierte Holz
wurden nun van Hoytema's Verzierungen
geschnitten, wodurch das blanke Holz wieder
hervortrat und so Effekte hervorruft, welche
manchmal an die Japanischen Einlegarbeiten
erinnern. Die von Hoytema angewendeten
Motive freilich tragen gewöhnlich das ihrige
dazu bei diesen Japanischen Eindruck zu vermehren
.
Unter der Anleitung Hoytema's hat der
Bildhauer Vermeulen sich das Verfahren des
Holzschneiders so sehr zu eigen gemacht, dass
Hoytema bloss die Zeichnung auf das Holz
macht und die grösseren Schnitte darin kerbt,
indem Vermeulen die Ausführung unter seiner
Leitung zu stände bringt. Obwohl augenblicklich
die Preise für die Möbel sich einiger-
massen hochstellen, wird das später — der
Arbeiter muss ja auch noch in der technischen
Fertigkeit fortschreiten — doch wohl günstiger
werden.
Unter die mustergültigen, von Hoytema
selber geschmückten Möbel gehören unzweifelhaft
die Zimmerhaltwände in gelb geschnitten
auf rotem Hintergrund mit tiefschwarzer Einfassung
, sowie die Rücklehnen einiger Ruhebänke
in denen es uns scheinen will, dass Gegenstände
wie verzierte Lambusierungen auf die
Dauer sich am meisten zu dergleichen Ausschmückung
eignen werden. Wir sind davon
überzeugt, dass falls van Hoytema sich mehr
als bis jetzt der Verzierung der zum Wohn-
aschenurne aus marmor
haus gehörenden Geräte unterziehen wollte,
sein nicht zu unterschätzendes Talent besser
zur Geltung kommen wird. j. G. Veldheer
HERMANN OBRIST
Hermann Obrist bestrebt sich seit langem,
die schlichte Schönheit seiner Kunst in den
Dienst jener Monumente zu stellen, die wir
unseren Toten weihen. Zwei Aschenurnen
und eine Grabplatte sind Beispiele, wie solche
Denkmäler ohne falschen Prunk doch durch
vornehme Grösse des darin zum Ausdruck
gelangten Empfindens wirken können. Etwas
von jener inneren Notwendigkeit, von jenen
ehernen Gesetzen, die Werden und Vergehen
regieren, kommt auch in ihnen zum Ausdruck
und teilt sich, wenn auch unbewusst,
der Stimmung des Beschauers mit. b.
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