Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 86
(PDF, 126 MB)
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-v^> LUXUSKUNST ODER VOLKSKUNST? -C^^-

Wenn wir das Bild einer Tiroler Sennhütte
neben das eines Blockhauses der waldbewohnenden
Kirgisen halten, so ist die
Uebereinstimmung verblüffend. Dieselben
Materialien im selben Klima zu denselben
Bedürfnissen gebracht, ergeben von selbst
ähnliches. Das Handwerkliche ergiebt sich
überhaupt von selbst. Und in diesem Hand-

fässes (ein Begriff, auf den wir später zurückkommen
) hier dürftig zum Ausdrucke bringen.
Im allgemeinen aber sind fast alle Völker handwerklich
-künstlerisch begabt gewesen und sind
es geblieben, bis fremde Einflüsse erschienen
und sie verwirrten. In unsere ethnographische
Museen muss man gehen, wenn man die
Anfänge aller Kunst auf Erden erkennen

HAUS LANGE, TÜBINGEN

werklichen steckt schon, tritt schon hervor,
wird schon unbewusst sichtbar das Künstlerische
, je nach der Höhe der Organisation
jeder Rasse und der Lust, mit der sie das
Werk der Hand betreibt. Es giebt auch
Völkerschaften, deren Töpfe unkünstlerisch
sind, d. h. deren Proportionen und äussere
Formen und Konturen das Leben des Gewill
. Handwerk (Werk der Hand), Struktur
(Gefüge und Ausdruck des Zweckes und des
inneren Lebens des Gefüges), Ornament
(Belebung, Steigerung dieses Lebens), das
alles, dieses indirekte Leben, war oft in unglaublicher
Schönheit vorhanden, ehe es sogenannte
freie Kunst gab, d. h. direkte Darstellung
des Lebens als Selbstzweck. Das

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