Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 88
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-=^sö> LUXUSKUNST ODER VOLKSKUNST? <^=^

fühls-Associationen aller Art mit dem höchsten
Luxus und der höchsten Macht zu
einem unlöslichen Ganzen verschmelzen,
so dass schliesslich jedes Volk vom andern
gänzlich verschieden geworden ist, um
schliesslich an seiner eigenen Hypertrophie
oder an plötzlichen äusseren Einflüssen zu
Grunde zu gehn. Dort war die Kunst
lange wahre und homogene Volkskunst
geblieben, denn es war gar nichts
anderes vorhanden, nach dem es
hätte aussehen können. Mit einem
anderen Worte gesagt: Es konnte nicht ordinär
modern werden. Und das führt uns zu dem
zurück, was uns vorhin beschäftigte. Wir
finden jetzt, dass der Begriff der wahren
Volkskunst gar nichts damit zu
thun hat, ob das Hergestellte billig
oder teuer ist, ob es für den kleinen
Mann oder für den Fürsten gearbeitet ist,
sondern dass allein entscheidend ist, ob
es den Geist dessen atmet, was das Volk
in den Zeiten, wo es am persönlichsten,

eigenartigsten und unbewusstesten pulsierte,
auf allen Gebieten des Handwerks, des öffentlichen
Lebens, der Gesittung, der Kunst, der
Religion, der Poesie, der Stimmung überhaupt
, schöpferisch ausstrahlte. Das wäre
dann die echteste Volkskunst, das wäre der
Geist, den wir am meisten lieb gewinnen
könnten.

Nun wird man uns entgegnen, dass diese
Auffassung doch sehr weit verbreitet sei, und
dass unser neuer Städtebau schon recht ansehnliche
Proben wahrer deutscher Volkskunst
aufzuweisen habe. Allerdings, die jüngste
Schule unserer Architekten geht wieder zurück
auf die naivsten Formen städtischer, ja sogar
ländlicher deutscher Bauten des frühen Mittelalters
, die so primitiv und klar sind, dass fast
nichts daran zu verderben ist, und kopieren
und variieren sie. Es ist fraglos, dass diese
ganzen Bemühungen einen hohen kunstsanitären
Wert in sich tragen, und sie sind
freudig zu begrüssen; allein es haftet ihnen
immer noch der Geist des bewussten, ab-


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