Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 94
(PDF, 126 MB)
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-S5=4sö> LUXUSKUNST ODER VOLKSKUNST? <^5-

kaiische Aera abzulösen, Kräfte, deren
letzte Quellen dieselben sein werden wie
die der Musik in der deutschen Seele,
deren Aeusserungsgebiet aber ein anderes
sein wird, eines, das seit Jahrhunderten nicht
mehr quoll und sprudelte. Wie in einem
Forste, wenn man fünfzigjährige Bäume niederschlägt
, oft auf der Rodung eine üppige Flora

wie von dem, der das urdeutsch-wuchtig-umfassende
Dach des Hauses Lange in Tübingen
entwarf? Sollte das nicht zur Vorsicht mahnen,
ehe man, wie das einer der eifrigsten Vorkämpfer
van de Velde's that, diesen Mann
für aberwitzig erklärt? Wie tief müssen wir
diesen feinsinnigen Kenner bedauern, dass er
in der rassig-prickelnden Anmut solcher Vig-

buffet « ausgeführt von den vereinigten werkstätten, münchen (ges. gesch

prangend sich entfaltet, geboren aus den
Keimen, die so lange im Boden schlummerten,
so erscheint auch plötzlich ein romantischer
Anachronismus wie Pankok auf der Rodung
der gefällten Stilbäume unserer Schulen,
eine Anabiose der Volksseele.

Es ist sehr schwer, zu einem Urteile über
Pankok zu gelangen. Wer würde glauben,
dass das überzierliche Sofa aus dem ebenfalls
überzierlichen Damenzimmer in Dresden
1901 von demselben Manne entworfen sei

netten und Tapeten, wie wir sie auf Seite 95, 99
u. 100 bringen, nur „bessere Brandmalereien"
sehen konnte? In der unerschöpflich sprudelnden
Erfindungsgabe, die wir in dem Kataloge
der Weltausstellung zu Paris kennen lernten,
und die an die krause Ueppigkeit der Einfälle
Jean-Paul's erinnert oder an die unerschöpfliche
Fähigkeit Bach's, immer neue Fugenthemen
und Gegenbewegungen zu erfinden,
tritt uns auch eine der hauptsächlichsten und
denkwürdigsten Begabungen Pankok's ent-

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