Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 96
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-^4sd> LUXUSKUNST ODER VOLKSKUNST? ~(^^

Ahnt das Publikum nur überhaupt, dass
solche Räume erträumt, nicht auf Bestellung
,,gemacht" sein wollen? In der That, es ahnt
es fast niemand. Und wenn es einer wüsste,
so würde er es misbilligen. „Zimmer hat
man nicht zu erträumen, sondern sauber

AUS DEM DAMENZIMMER

DRESDEN 1901

auf dem Reissbrett zu zeichnen nach den
Wünschen des Bestellers". Ganz recht. Nur
müssen eben erst Besteller da sein, nach
denen man sich richten kann. Und das
ist der wunde Punkt und die eigentliche
Erklärung für viele der oft unbegreiflichen
Merkwürdigkeiten Pankok's. Jahrelang
erhielt Pankok überhaupt keine Bestellungen
, und alles, was man von ihm
sah, verdankte seinen Ursprung nur der
Initiative Direktor Krügers, der ihm
bei Ausstellungen und ähnlichen Gelegenheiten
mit Absicht vollkommen freie
Hand Hess. So entwarf denn der junge
Künstler, den sein bisheriges Leben mit
den Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten
der Wohlhabenden in gar keine
Fühlung gebracht hatte, total unbewusst
seine Phantasiezimmer für Gestalten, die
es in der wirklichen Welt gar nicht giebt.
Das schwarze Schlafzimmer auf der
Dresdener Ausstellung 1898 war das
Lager eines düsteren, romantischen
Märchenkönigs, und das Damenzimmer
auf der Dresdener Ausstellung 1901 war
das Zimmer einer ätherischen und doch
wieder harten weiblichen Traumgestalt.
Als moderne Zimmer unbequem und
ohne Ahnung von Komfort, waren sie
doch als Träume einzig. Wie viel mag
er davon in alten Klöstern, im Wald
und Gebirge ersonnen haben? So trat
denn das höchst eigenartige Phänomen
zu Tage, dass dieser Bauernsohn aus
der Tiefe seiner unbewussten, fast mystischen
Volksträume heraus höchste Pracht
entfaltete, während um dieselbe Zeit sich
in derselben Stadt steinreiche junge Dekadenten
in keuschem Puristenstil einrichteten
. Wer aber wusste das? Und
so nahm denn der Bürger Aergernis
daran. Und als später Bestellungen eintrafen
, da entstanden neue Aergernisse
daraus, dass die meisten unserer sogenannten
Gebildeten gänzlich unfähig sind,
sich aus Zeichnungen ein Bild des
fertigen Möbels zu machen, fernerhin
meistens überhaupt nicht wissen, was
sie wollen, und wie sie es haben wollen,
so dass es für sie bequem werde. Sie
verlangen, dass der Künstler alles wissen
oder erraten soll, woraus dann die merkwürdigsten
Mischprodukte entstehen. Nicht
jeder hat den Mut und die Besonnenheit,
den Glauben und den prüfenden Blick,
wie ihn Conrad Lange in Tübingen als
erster Bauherr Pankok's in deutschen
Landen gezeigt hat.

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