Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 97
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^=4^> BERNHARD PANKOK

teppich aus dem pariser zimmer 1900

Wir kennen nun manche, die Pankok eine
gewisse ornamentale Phantasie nicht absprechen
, die ihn aber als konstruktiven
Künstler schroff ablehnen. Das sind solche,
die auf dem Gebiete der Konstruktion Puristen
sind, Puristen des technischen „Gefüges".
Diesen ist es durchaus gestattet, ihn abzulehnen
. Aber dass ein Hauptvertreter des
Münchener Neu-Barocks bei Anblick des
Pariser Zimmers Pankok's ausrufen konnte:
Scheusslich, einfach krankhaft! das ist köstlich.

Ein Gotiker war diesen Sommer nicht
minder entsetzt über einen Stuhl Pankok's,
Als wir ihn darauf aufmerksam machten, wie
sehr man doch an gotischen Kirchen die
Elastizität und Kraft bewundere, mit welcher

der Druck der Mauern der Kirche von den
Strebebögen und den Strebepfeilern aufgefangen
werde, und dass hier im Stuhle dasselbe
Spiel der Kräfte sichtbar wäre, meinte
er ärgerlich, das wäre doch hier etwas ganz
anderes. Versuche man einmal streng logisch
konstruktiv zu denken, seien wir Puristen!

Wenn wir einen Puristentisch konstruieren
wollen, so nehmen wir eine rechteckige Tischplatte
her, setzen sie auf vier streng gerade
Tischbeine, verbinden diese mit den nötigen
streng schreinermässig gefügten Leisten und
der logische Puristentisch ist fertig. Gebogen
oder ausgeschnitten darf die Tischplatte
nur sein, wenn dies sich aus einem praktischen
Bedürfnisse, wie z. B. bei einem

Dekorative Kunst. V. 3. Dezember 1901.

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