Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 99
(PDF, 126 MB)
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-sr^ö> BERNHARD PANKOK <^v-

kleiderschrank

unkünstlerisch zu werden, das dürfte bei verschiedenen
Naturen verschieden sein. Pankok
scheint uns die gefährliche Klippe umschifft
zu haben. Nur hier und da, wie bei dem
schmiedeeisernen Geländer des Hauses Lange,
Seite 83, scheint uns sein Temperament
wieder etwas heftig gezuckt zu haben. Und
wie das Bedürfnis, sich mehr oder minder
stark körperlich und geistig „auszudrücken",
bei verschiedenen Menschen verschieden stark
ausgeprägt ist, so ist auch der Ausdruck der
inneren seelischen Kräfte bei verschiedenen
Rassen verschieden. Ebensowenig wie der
Engländer es in sich hat, solchen Reichtum an
Gefühlsarten zu äussern, wie sie die deutsche
Volksseele in ihrer unerhört vielgestaltigen
Musik kundgegeben hat, ebensowenig neigt jene
Rasse dazu, sich ornamental und konstruktiv
stark, heftig, bewegt, phantasievoll zu äussern.
In unserer Volksseele aber schlummern jene
Spannkräfte stets, auch wenn sie nicht in
der Musik sich äussern, und eine Zeichnung
wie die erste Skizze von Pankok zu dem
Pariser Zimmer 1900 auf Seite 98 ist das
leidenschaftlich- und romantisch-deutscheste,

was wir auf diesem Gebiete kennen. Wenn
jemandem ein so starkes indirektes Leben
im Zimmer nicht behagt, so ist er durchaus
berechtigt, es abzulehnen. Aber objektiv
bleibt die Thatsache des intensiven und ausschliesslich
deutschen Lebens, der deutschesten
Pracht in diesen Entwürfen bestehen.
Wir sagen ausdrücklich, deutsche Pracht,
weil uns das Wort Luxus gerade etwas zu
bezeichnen scheint, was wir gern aus unserem
Volke beseitigt sehen möchten, als
etwas ihm Fremdes. Doch wollen wir dieses
Wort trotzdem nicht fallen lassen, weil es
uns zu dem Anfange wieder zurück führt,
von dem wir ausgegangen waren, und zu
dem Schlüsse bringen wird, auf den es uns
ankam. Wir haben zu zeigen versucht, was
wir unter wahrer, ursprünglicher Volkskunst
verstehen, und von welcher Gattung von
Künstlern wir allein glauben, dass eine Neu-
Geburt ausgehen kann, ohne deswegen behaupten
zu wollen, dass es stets die Eigenart
Pankok's sein muss, welche die Richtung
anzugeben braucht. Wir hoffen im Gegenteil
, dass das nächste, urwüchsig-schöpferische
Talent eine andere Note treffen wird. Die
deutsche Volksseele ist dazu reich genug.
Das aber möchten wir gerne bewiesen
haben, dass wie es in der Musik auf die
singende Volksseele in Franz Schubert
ankommt, wenn wir von Volkskunst reden,
und nicht auf Franz Abt und die Gesangsvereine
, so es auch in der angewandten Volkskunst
der Zukunft auf die schöpferischen
Köpfe ankommen wird und nicht auf die
zahlreichen rührigen Firmen. Dass die Ausführung
solcher Arbeiten zuerst nicht billig
sein kann und Luxus sein wird, das erübrigt
wohl von selbst. Es giebt aber keinen andern
Weg zum Fortschritt. Durch Luxus
hindurch zur Volkskunst, das wird das
Losungswort sein. Bei seinem eigenen
Heime fange jeder an, die Volkskunst
wird dann von selbst kommen,

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