Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 100
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-*=4^> DIE HANDARBETETS-VÄNNER <^s-

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vignette aus: „das goldene buch des deutschen volkes
an der jahrhundertwende." verlag: j. j. weber, leipzig.

DIE AUSSTELLUNG DER HANDARBETETS-VÄNNER
VON STOCKHOLM IM BERLINER KUNSTGEWERBE-MUSEUM

Nachdruck verboten

Von Marie Luise Becker

Die Stickereien und Bildgewebe des Vereins
der Freunde der Handarbeit in Stockholm
bilden heute eine interessante Ausstellung
im Lichthofe des Berliner Kunstgewerbe-
Museums, nachdem das seit Mai diesesjahres
im Berliner Bureau Sassnitz-Trelleberg,
Unter den Linden 59, ständig stationierte
Ausstellungs- und Verkaufsdepot bewiesen
hatte, wie rege das Interesse weiter Kreise
an dieser national - schwedischen Variation
textilen Kunstgewerbes ist. Das starke
Nationalgefühl, der intensiv nordische Typus,
der sich auf allen Gebieten der Kunst und
Litteratur in dem so fröhlich aufblühenden
Lande bemerkbar macht, musste auch in
erster Linie diesen Arbeiten Zeichnung und
Charakter geben. Das Gefühl der erwachenden
Kraft schuf dem nationalen Gedanken
Leben und freien Flug. Auf dem Boden
materieller Fortschritte und geistiger Erstarkung
blühten Wissenschaft, Litteratur
und Kunst kräftig empor. Die Namen
Nordenskjöld und Montelius sind weltbekannt
, die Litteratur fand einen vaterländischen
Ton unter den Zeichen Geyer's
und Tegner's; die Skulptur hat Byström's
und Molin's Siege zu verzeichnen, und die
Malerei entwickelte sich durch Ringen und
Kampf von dem akademischen Standpunkte
der Winge und Malmström zu der modernen
Höhe, an deren Spitze wir heute Carl
Larsson und Zorn bewundern. Auch auf
dem Gebiet des Kunstgewerbes ist die Entwicklung
von schematischen Formen zu

persönlichem und nationalem Leben und
künstlerischer Bewertung nicht ausgeblieben.

Der Entwicklung der textilen Kunst kam
das Vorhandensein altnationaler Begabung
und Kunstfertigkeit im Volke zu gute. Das
alte Schweden, aus den verschiedenen germanischen
Stämmen zusammengeschmolzen,
besitzt noch heute scharf gezeichnete Dialekte
in den einzelnen Landschaften, die auf
die Stammesunterschiede der Goten, Schweden
und Nordmannen zurückzuführen sind. So
war auch die Hauskunst, so sind heute noch
die Erzeugnisse des Hausfleisses wesentlich
wechselnd in den einzelnen Gebieten und
immer im nationalen Typus der Bewohner
wurzelnd.

Die Seele der Bewegung zur Hebung der
Handarbeit — „in künstlerischem und vaterländischem
Sinne" — war die Schriftstellerin
Sophie Freifrau v. Adlersparre, ihr zur
Seite stand als künstlerische Ausführerin
ihrer Ideen die Malerin Frau Winge. So
bildete sich im Jahre 1874 der „Handarbetets-
Vänner" in Stockholm, dem das heutige
Schweden zum grossen Teil sein textiles
Kunstgewerbe wie den ausgebildeten Sinn
für das Praktische und Schöne im Rahmen
des Hauses verdankt. Man rief die Gestalten
der Volkspoesie zurück in ihr altes Heimatgebiet
, den Bilderteppich, und legte damit
den Grund zur neuen Blüte. Denn unsere
heutige Zeit liebt das Märchen wieder, wie es die
Lyrik und den Tanz, die poetischen Lebensäusserungen
starker Völker, liebt. Und nichts

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