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BENSON's ELEKTRISCHE
BELEUCHTUNGSKÖRPER
Von H. Muthesius, London
Unter den Künstlern, deren Namen innerhalb
der englischen Kunstbewegung bekannt
geworden sind, nimmt W. A. S. Benson
eine besondere Stellung ein. Er hat sich
eigentlich von Anbeginn von der „Arts and
Crafts"-Gruppe dadurch unterschieden, dass
er es unternahm, zu fabrizieren. Denn damit
verneinte er einen der Grundsätze, die
in jenem Lager hochgehalten werden, den
der Handarbeit. Die Morris-Gruppe hält
noch heute an dem RusKiN-MoRRis'schen
Lehrsatze der Handarbeit fest, einem Satze,
dem man solange zustimmen wird, als es
sich um das Hervorbringen individueller
Kunstwerke handelt, die entsprechend bezahlt
werden. Dass solche Kunstwerke aber
nie eine allgemein-wirtschaftliche Bedeutung
erlangen können, liegt auf der Hand. Man
wird einige reiche Liebhaber versorgen,
aber den Boden des Volksbedarfes nicht berühren
. Eine Volkskunst, d. h. eine Kunst
für das Volk kann heute nur mit Hilfe
der Fabrikation erzeugt werden. Und soviel
auch mit diesem vielgebrauchten, nur zu
häufig mit nebelhafter Romantik umwobenen
Begriffe heute operiert wird, man wird nie
zu einer klaren Lösung kommen, solange
man über die heutige wirtschaftliche Lage
hinweg, die uns nun einmal auf die Maschine
hinweist, sein Heil in der Wiederbelebung
der Arbeitsweise vergangener Zeiten
sucht.
Benson begann, nachdem er im Jahre 1880
seine Lehrzeit als Architekt bei dem bekannten
Gotiker Basil Champneys hinter sich hatte,
sich dem Gewerbe zuzuwenden, und zeichnete
zuerst Möbel für Morris; gleichzeitig versuchte
er sich jedoch in der Lösung der
bekanntlich schwierigen Aufgabe, eine gute
Petroleumtischlampe herzustellen, und zwar
herzustellen, nicht zu entwerfen. Denn auf
dem Papiere die Formen für einen dem
Zeichner vielleicht fernliegenden Werkstoff
zu entwickeln, ist ein verkehrter Weg des
künstlerischen Schaffens, zu dem leider die
Lehrmethode unserer Kunstgewerbeschulen
noch immer ermutigt. Die richtige, vollendete
Form lässt sich nur im Werkstoff selbst
bilden, er allein lehrt uns, wie wir ihn behandeln
sollen, so wie wir richtig reiten nur
dann lernen, wenn wir uns selbst aufs Pferd
setzen. Benson gründete zunächst eine kleine
Dekorative Kunst. V. 3. Dezember 1901.
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