Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 108
(PDF, 126 MB)
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-B=4sö> W. A. S. BENSON, LONDON <^c~

zu haben sind, die man für beste Arbeit zu zahlen gewöhnt
ist, macht sie um so annehmbarer.

In ein ganz neues Wirkungsfeld musste Benson eintreten,
als das elektrische Licht auf dem Schauplatze unsrer Zeit erschien
. Auch hier war er eigentlich wieder der erste, der
der neuen Aufgabe unbeeinflusst entgegentrat. Einige seiner
früheren Beleuchtungskörper sind bereits im allerersten Heft
dieser Zeitschrift veröffentlicht worden, während die Reihe
der heute vorgeführten Beispiele vorwiegend spätere Arbeiten
darstellt. Hier wie dort sehen wir in fast noch höherem
Grade wie bei den Lampen das Eigentümliche der benson'schen
Formen ausgeprägt : äusserste Sachlichkeit verbunden mit
einem Minimum von ornamentalem Aufwand. Ja, was den
letzteren betrifft (er äussert sich hier und da noch in einigen
Ansätzen, namentlich spitzen Akanthusblättern aus Kupferblech
), so wünschte man ihn hinweg, um die Formen ganz
rein in ihrem sprechenden Ausdruck zu haben; denn dieser
Ausdruck ist es gerade, der so wohlthuend berührt. Die
Akanthusblätter kommen einem innerhalb dieser Formen wie
ein Rest aus einer alten Kultur vor, der sich noch aus früheren
Zuständen erhalten hat.

Von besonderer Schönheit sind die elektrischen Kronen.
Die Lichter sind hier durchweg an die Zuleitungsdrähte gehängt
, die sich in einfachster Weise um das umgebogene
Ende herausgestreckter Messingarme legen, um den ihnen
angewiesenen Platz einzunehmen. Die Glashüllen sind zumeist
opale oder mattweise Gläser von Powell, in der Oberfläche
leicht gewellt, um das Licht noch mehr zu brechen. In
vielen Fällen öffnet sie Benson nach oben und bringt über
ihnen einen stark polierten Kupferschirm an (wie bei den nebenstehenden
Beispielen), welcher das Licht nach unten zurückwirft.
Dieses Reflexlicht ist eine Lieblingsanordnung Benson's, die
er auch bei Oelhängelampen gerne anwendet. Er verbirgt dann
zuweilen das Licht ganz und lässt die Beleuchtung nur durch
das reflektierte Licht erfolgen, wodurch ein sehr mildes, gleich-
mässig zerstreutes Allgemeinlicht erreicht wird. Der Eindruck,
den solche Lichtquellen ohne Licht machen, ist ganz magisch.
Bei allen Standlampen und auch bei Tisch-Hängelampen tritt
andernfalls der seidene Schirm ein, um die Lichtquelle dem
Auge zu entziehen. Von diesen elektrischen Standlampen sind
besonders die auf S. 109 mitgeteilten mit gebogenem Hals sehr
interessant, da man nicht nur der Lampe mittels eines Gelenkes
jede beliebige Neigung geben, sondern auch den ganzen Beleuchtungskörper
an die Wand hängen kann. In beiden Lagen
erscheint die Form ganz natürlich, und man hat z. B. beim
Anblick der aufgehängten Lampe keineswegs die Empfindung,
dass ihre Form eigentlich die einer Standlampe wäre. Eine
hübsche Kleinigkeit sind die zur Tafeldekoration bestimmten,
über einem Blumentopf angeordneten Lampen, S. 109, die, selbst
hinter einem Schirm verborgen, die Pflanze in hellem Lichte
erstrahlen lassen.

Als Werkstoffe wendet Benson mit grosser Vorliebe eine
Verbindung von Messing und Kupfer an, und zwar so, dass die
Konstruktionsteile, wie Ständer, Arme, Füsse u. s. w. aus
Messing und alle blechdünnen Teile, wie Schirme, Reflektoren,
Bänder u. s. w. aus Kupfer gebildet werden. Die Messingteile
zeigen zumeist eine gebogene, im Querschnitt abgerundete, rein
aus dem Zweck entwickelte Form, die Kupferteile treten als

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