Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 117
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0129
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auf rein künstlerische Basis gestellt hat. Vor
Italienern und Japanern aber haben sie noch
das voraus, dass sie nicht wie jene von einer
anderen überlegenen Kunst beeinflusst
wenn man will beirrt — wurden, und dass
sie mit den Japanern verglichen in erster
Linie Plastiker sind, also überall vor malerischer
Formlosigkeit bewahrt bleiben.

Aber natürlich nicht, was die Griechen
gemacht, soll Vorbild oder gar Vorlage sein.
Das war der grosse Fehler des neunzehnten
Jahrhunderts in seiner gedankenlosen Nachahmung
aller grossen Stile. Sondern wie sie
geschaffen haben, das allein ist lehrreich.
Alles Kunstschaffen vollzieht sich ja nach
gewissen inneren Gesetzen, die dem produktiven
Künstler, falls er vom richtigen künstlerischen
Instinktgeleitetwird, getrost unbekannt
bleiben können, die aber in einer so reflektierenden
Zeit wie der unsrigen manchem
Suchenden den richtigen Weg weisen können.

Darum ist es verdienstvoll, das Griechentum
unserer Kunstwelt näher zu bringen.
Aber es muss unverfälschtes, unversüsstes
Griechentum sein. Der Archäologe erschrickt
oft, welche unrichtigen und schiefen Vorstellungen
bei Publikum und Künstlern verbreitet
sind, teils durch die Nachwirkung einer
falschen Schulästhetik, welche die Griechen
als abstrakte Idealmenschen ohne Blut und
Individualität hinstellt, teils und noch mehr
durch eine gewisse Sorte jetzt zum Glück
seltener gewordener Bücher, die durch süss-
liche Reproduktionen und willkürliche, für
das moderne Auge „elegante" Rekonstruktionen
und Veduten die Begriffe verfälschen.

Wir lenken die Aufmerksamkeit auf ein
im Erscheinen begriffenes Werk, das von
einem der blühendsten und besterhaltenen
Zweige des griechischen Kunstgewerbes, der
Gefässmalerei, zum erstenmale ausreichende
Anschauung giebt.*) Aeltere Abbildungswerke
griechischer Vasen giebt es in Unzahl. Aber
weder Künstler noch Forscher hatten früher
das geschärfte Auge für feine Stilunterschiede,
und die Mehrzahl der Abbildungen erscheint
heute, neben das Original gehalten, wie Karikatur
. Hier aber hat sich ein Künstler gefunden
, der sich in jahrelanger selbstloser
Hingebung in jede Feinheit der Linie eingelebt
hat und mit meisterhafter Beherrschung
der Mittel auch in Schwarz-Weiss die einfache
, auf wenige Farbennuancen gestellte
malerische Wirkung der Gefässe herausbringt.

*) A. Furtwängler und K. Reichhold,
Griechische Vasenmalerei. München, Verlagsanstalt
Bruckmann 1900 fg. Lieferung 2.

Die vortreffliche Lichtdrucktechnik thut das
ihrige, dass von der Güte der Zeichnungen
nichts verloren geht. Der Text rührt zum
Teil von Reichhold selbst her, der sich im
Laufe seiner Arbeit zum besten Kenner
aller der schwierigen technischen Eigentümlichkeiten
dieser Denkmälergattung entwickelt
hat, in dem andern historischen — Teil
von einer ersten fachmännischen Autorität
auf diesem Gebiet, Adolf Furtwängler.
Die Publikation bringt nur künstlerisch bedeutende
Stücke aus den verschiedenen Museen
Europas, eine Auswahl des allerbesten, was
in dieser Art erhalten ist.

Zweierlei kann der moderne Künstler an
griechischen Thongefässen sehen. Erstens, dass
praktische Zweckerfüllung und absolute Schönheit
der Form zusammenfallen können, ja
dass diese durch jene bestimmt, dass die
Schönheit aus der Zweckmässigkeit entwickelt
werden kann und muss. Zweitens dass der
Gefässchmuck nichts äusserlich Herangebrachtes
sein darf. Ist er reines Flächenornament
, so muss er sich aus der tektonischen
Form des Gefässes entwickeln; ist er bildlich,
so muss er sich ebenfalls dem konstruktiven
Grundgedanken eines Gefässes mit geschlossener
Gewandung soweit anschliessen« dass

von einer spitz amphora mit
bakchischen scenen (münchen)

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