Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 124
(PDF, 126 MB)
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^4^> BAUTEN VON PETER DYBWAD <^M?~

FÜLLUNG IN EICHENHOLZ GESCHNITZT VON F. A. SCHÜTZ, HOFMÖBELFABRIK, LEIPZIG

sondern nur dazu dient, diese Bedürfnisse
im Sinne des Vornehmen und Behaglichen zu
erfüllen.

Diese Effekte und Formen bleiben dabei
überall diskret; die Ornamentik, die zum Teil
reichlich vorhanden ist, wirkt nirgends aufdringlich
, da sie im flachen Relief streng den
Charakter der Flächenbelebung behält. Alle
Details sind mit Liebe und Sorgfalt erdacht
und durchgearbeitet, man beachte beispielsweise
Krone und Beschläge des Speisezimmers
im Hause Petersmann, die bei einer Fülle
reizvoller Motive doch so sicher dem Gesamteffekt
des Raumes eingeordnet bleiben.
Gerade von modernen Beschlägen kann man
nur zu oft das Gegenteil sagen.

VILLA KARL MEYER, LEIPZIG « VORRAUM

Während in diesem Räume Hand in Hand mit
einem wirkungsvollen farbenreichen Gobelinfries
von Munthe ein Hauch nordischen
Charakters vorwaltet, zeigt sich Dybwad im
allgemeinen mehr dem englischen Geschmack
verwandt. Das ergiebt sich aus seiner Auffassung
vom Wesen einer Häuslichkeit von
selbst, die mit den mustergültigen Typen vornehmer
englischer „Homes" eng zusammengeht
in der Art, wie die Möbel sich dem
Räume einfügen, und vor allem, wie für den
wirtschaftlichen Teil des Hausbetriebes mit
allem Raffinement gesorgt ist; das ist eine
Seite modernen Hausbaues, die „Darmstadt"
meistens leider sehr vernachlässigt hat.

Das Aeussere der Gebäude spiegelt die
Mannigfaltigkeit der inneren Bedürfnisse sehr
deutlich wieder und ist deshalb auf die
malerische Wirkung von Gruppierung und
Silhouette berechnet. Dybwad versteht es,
durch ein markantes Dach alle verschiedenartigen
Teile zusammenzuhalten und zu einem
organischen Ganzen zu stempeln. Die kleinen
architektonischen Durchbildungen ordnen sich
dem Effekt der Masse vollkommen unter;
beim Hause Karl Meyer sind sie durch die
malerische leichte Rustika-Behandlung der
Sandsteinflächen mehr ins Städtische hinübergespielt
, während beim Hause Petersmann
die deutsche Fachwerksbildung mehr den
Charakter des im Garten gelegenen Landsitzes
trägt.

Man freut sich, gerade in Leipzig, wo eine
wahre Kolonie kümmerlicher Palazzi das
Wohnviertel der Geldaristokratie markiert,
solchen individuell und heimisch anmutenden
Gebilden zu begegnen, man freut sich allein
schon über das gute deutsche Dach gegenüber
den italienischen Flachdächern, die ringsum
die Herrschaft führen, und man kann nur
hoffen, dass das Beispiel von Echtheit und
Vornehmheit, das hier gegeben ist, kräftig
weiterwirken möge.

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