http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0138
-ss^^s©- BAUTEN VON PETER DYBWAD
villa karl meyer, leipzig « speisezimmer
VIA MIQUEL
Von Karl Scheffler
Dass die Kunst im besonderen die
angewandte ein wichtiger sozialer
Faktor ist, leugnet heute, nachdem Ruskin
und Morris der modernen Welt gelebt haben,
keiner mehr, für den das Unwägbare nur
ein wenig Gewicht hat; desto seltsamer erscheint
es, dass diese sozial bereits organisierende
Kraft nach keiner Richtung im
parlamentarisch bewegten Leben unserer Tage
politisch vertreten wird. Jedes kleinliche
Berufsinteresse findet seinen Sprecher im
Parlament oder in den Redaktionsstuben;
aber das grosse ideale Interesse des ganzen
Volkes, das tausend materielle erst in Bewegung
setzt, wird nirgends wahrgenommen.
Alle "Welt schöpft aus dem Brunnen der
Kunst, jeder drängt sich, der erste zu sein
und trübt mit rücksichtsloser Hast die klare
Flut. Dem Staate ist das ideale Vermögen
der Nation nur ein Reservefond, den er der
steuerkräftigen Industrie zur beliebigen Benutzung
überlässt; er hilft dieser sogar einen
unerhörten Raubbau mit der bildenden Kraft
des Volkes treiben. Die Künstler haben für
eine Vertretung wohlverstandener Interessen
scheinbar keinen Sinn, denn man hat noch
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