Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 130
(PDF, 126 MB)
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-=^=4^> WIENER KUNSTGEWERBEVEREIN <^M^

Protest hinterher. Das aber wagt keiner
konsequent zu denken: dass kein Musterschutzgesetz
gegen die Zeichnerhorden
schützen kann, die vom Staat zur Nachahmung
, also Uebertretung eigens erzogen
werden, denen der geistige Diebstahl das
liebe Brot bedeutet. Diese alle sind der
alleinseligmachenden Industrie geopfert, die
nur fordert, um sofort alle Wünsche befriedigt
zu sehen. Es wird ihr viel zu leicht
gemacht. Wenn sie beispielsweise den Wunsch
hat, ein paar Millionen Petroleumlampen in
Chinesenhütten aufzuhängen, so soll sie sich
doch selbst Leute ausbilden, die ihr die
Ramschware „künstlerisch"' einkleiden und

wordenen Blick scheinen mag, und es wird
eines Tages den Bankerott hervorrufen.

Jetzt gerade wäre es Zeit, Miquel's Anregung
zu verfolgen, zu vervollständigen
und der Kunst das Bestimmungsrecht langsam
zu erobern, das ihrer sozialen Bedeutung
entspricht. Was zu erstreben wäre,
wie es geschehen müsste: das ist im einzelnen
zu beraten; die Hauptsache ist die
Organisation der Künstler zu dem doch
wirklich nahe liegenden Zweck, die eigenen
Interessen zu schützen. Es ist nötig, dass
einmal ein neues Wort, das weitere Perspektiven
eröffnet, den Profitkampf der
Industrie und Landwirtschaft unterbricht.

GLASSERVICE « ENTWORFEN VON BARONIN G. FALKE « AUSGEF. VON E. BAKALOWITS SÖHNE, WIEN

nicht vom Staate den unentgeltlichen Drill
solch unglücklicher Geschöpfe verlangen.
Jetzt braucht der Fabrikant nur zu pfeifen,
so stehen schon ein Dutzend auf alle historischen
Stile dressierter Zeichner da und
unterbieten sich mit vor Hunger klapperndem
Gebein.

Das so die beste Volkskraft leichtfertig
verschleudernde System hat es bewirkt, dass
der Charakter der Nation, repräsentiert durch
die Kunst, verdorben ist, dass die ursprünglich
aristokratische Idealität der Kunst einer
der schmierigsten Höflinge des jedem Profit
nachrennenden Kapitals geworden ist. Das
System hat schon verderblicher gewirkt, als
es dem in langer Gewöhnung stumpf ge-

Die Künstlerverbände hätten besseres zu thun,
als lächerliche Kostümfeste zu arrangieren.
Als die lebendigste konservative und aristokratische
Macht hat die Kunst im politischen
Kampf Stellung zu nehmen und dem engen
Gezänk fruchtbare, aus der Arbeit geborene
wirtschaftliche Ideen entgegenzustellen. Die
Künstler dürfen schon etwas wagen, denn
sie sind unentbehrlich geworden, und ihre
Stimme muss, als die eines Werte schaffenden
Standes, früher oder später beachtet
werden.

In nächster Zeit soll hier der Versuch
gemacht werden, einige Einzelfragen der
Lösung, wenigstens theoretisch, näher zu
bringen.

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