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-^^> AUS MÜNCHENS KUNSTINDUSTRIE <^M?~
net sich zugleich durch eine gewisse Eleganz
aus, die bei Erzeugnissen der neuen Kunstrichtung
nicht immer angetroffen wird. Einen
durchaus vornehmen Gesamteindruck macht
auch das zweite Interieur, das Speisezimmer
von Wilhelm Schmidt, ausgeführt von
K. Caspar & Kostka. Der Vorwurf einer zu
harten koloristischen Wirkung, herbeigeführt
durch verschiedenfarbige polierte Hölzer, diesmal
Mahagoni und Buchsbaum, kann aber auch
diesem Mobiliar nicht erspart bleiben. Anmutig
und reizvoll ist dagegen die Komposition
des Kredenzschrankes, sowie des Silberschrankes
und des Serviertischchens mit seinen
aufklappbaren Seitenteilen. Ein etwas zu umfangreiches
Gebäude umgiebt die massige
Standuhr. Dieses simple Instrument zum
schweren Möbel auszubilden, ist aber eine
ebenso alte als allgemeine Sitte, so dass dem
Künstler im einzelnen Falle kaum daraus ein
Vorwurf erwächst. Originell in Form und
Dekor, ohne die Grenzen des Gefälligen zu
verlassen, ist das von Baronin G. Falke entworfene
, von Bakalowits ausgeführte Glasservice
, und ebenso zeichnet sich das von
Fräulein Sika entworfene Kaffee- und Thee-
service durch Bequemlichkeit und Leichtigkeit
der Form und Ornamentierung aus. Besondere
Erwähnung verdient ferner das in kräftiger
Durchbrucharbeit schön ornamentierte Tischzeug
nach Entwurf von Frl. Marietta Pey-
fuss. Der dritte Raum ist ein Herrenzimmer
in Eichenholz mit blaugrünem Stoffbezug der
Möbel, entworfen von Emil Holzinger und
Karl Summetsberger, ausgeführt von Heinr.
Summetsberger. Wir bringen daraus den
Liqueur- und Zigarrenkasten, sowie das Spieltischchen
mit Stuhl, woraus der Typus des
gesamten Mobiliars entnommen werden kann.
Wie man sieht, hält er sich im Rahmen moderner
Kompositionsweise, ohne besondere Eigenart
anzustreben. Weitergehende Rücksicht
auf zweckentsprechende Form hätte diesen
Möbeln entschieden zum Vorteil gereicht. Ein
Liqueurservice von schlanker, eleganter Form
fällt in diesem Raum angenehm in die Augen,
und ebenso verdient die Hängelampe nach
Entwurf von Fräulein Unger lobende Anerkennung
.
Im ganzen haben diese zehn Absolventen
der Wiener Schule, Schüler der Professoren
Hoffmann und Moser, den Beweis erbracht,
dass sie jenen Grad von Sicherheit erlangt
haben, der sie befähigt, an der Reform des
Kunstgewerbes erfolgreich mitzuwirken. Aber
sie, wie so viele andere Künstler, die sich
mit den Problemen der modernen Kunst im
Hause beschäftigen, forschen noch immer
TISCHLAMPEN « ENTWORFEN VON BRUNO PAUL (1, 2) UND WILH. KEPPLER (3)
AUSGEFÜHRT VON DEN VEREINIGTEN WERKSTÄTTEN, MÜNCHEN (GES. GESCH.)
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