Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 148
(PDF, 126 MB)
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TAPETEN VON OTTO ECKMANN

Von den vielen Tapetenentwürfen Eck-
mann's sind hier ein paar aus der
letzten Saison abgebildet. Eigentlich ist
es ja schade, dass Tapetenmuster von dem
ästhetischen Wert der EcKMANN'schen Saisonware
sind, und dass jedes Jahr eine neue
Kollektion auf den Markt gebracht werden
muss. Solche durch die Konkurrenz bedingte
Hast ist schuld daran, dass wir gar
nicht mehr zu Ruhe und Genuss kommen.
Der Berliner Künstler hat Tapeten drucken
lassen, die sehr würdig wären, zehn Jahre
und länger benützt zu werden, denen sogar
eine kleine Nuance „Ewigkeitswert" nicht abzusprechen
ist. So aber schlägt er als
Kontraktpflichtiger muss er es wohl — mit
dem Erfolg des letzten Jahres den des vorigen
tot. Aus solchen Verhältnissen erklärt es
sich dann auch, dass die Muster von Jahr
zu Jahr praktischer werden, d. h. dass sie
sich den Bedürfnissen des Marktes immer
mehr anpassen. Bis zu einem gewissen
Grade ist das gewiss lobenswert; nur darf
der Künstler nicht auf den
Punkt geraten, wo sich das Verhältnis
verkehrt und die Nachfrage
die Kunst diktiert.

Die hier reproduzierten Arbeiten
zeigen noch hinreichend
individuelles Gepräge. Bei allen
ist das Bestreben bemerkbar, der
Wand die Ruhe zu geben und
Eintönigkeit nur durch ein leicht
bewegtes, mehr oder weniger
geistvolles Linienspiel aufzuheben
. Solange Tapetenpapier
benützt wird, ist dieses Prinzip
sicher das erfolgreichste.
Die künstlerische Musterung ist
bei der Tapete nicht die Hauptsache
, sondern das Kolorit; darauf
sieht Eckmann auch in
erster Linie.

Eine andere Art des Wanddekors
, die das Muster mehr
betont und doch so künstlerisch
wie verwendbar bleibt, ist die
Manier, wie Eckmann sie z. B.
in seinem Muster „Palmette" angewandt
hat und wie sie Lemmen
vor allem eigen ist. Solche ein-
oder zweifarbig kräftiggemusterte
Papiere mit rein ornamentalen
Motiven geringen Rapports beleben
den Raum ungemein, ohne
der Wand doch den Charakter

des Hintergrunds zu nehmen. Doch finden
sich für diese Art in Deutschland gar keine
Liebhaber.

Für das Künstlerische in der angewandten
Kunst ist bei uns noch verzweifelt wenig
Sinn; man will immer nur die Sensation
oder die Langeweile. Darum resignieren die
Künstler früher oder später alle. Die ersten
Tapeten Eckmann's konnten nur in Räume
geklebt werden, wo ein feiner moderner
Geist das ganze Interieur bestimmte; diese
neueren Muster können überall verwandt
werden, in Etagenhäusern und Villen, in
modernen Interieurs und archaistischen. Ob
in dieser Thatsache ein Lob für die ersten
oder späteren Muster liegt, das ist eine
Doktorfrage, mit der sich jeder Berufene ein
Erkleckliches herumplagen möge. -r

boutet de monvel

sitzen der greis

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