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PUTTEN VOM BRUNNEN IN DER MÜNCHNER VORSTADT AU * MODELLIERT VON J. FLOSSMANN
rischen Tumult einnimmt. Der eine wird die
geheiligte Kraft des durch die Jahrhunderte
Ueberlieferten als das glorreiche Zeichen hinstellen
, unter dem allein die fortschreitende
Generation siegen kann, andere sehen das
einzige Heil in einem radikalen Bruch mit
dem Historischen, das wie Blei an den Sohlen
des vergangenen Jahrhunderts haftete. Und
gar denen, deren Schlagwort die neue?.Renais-
TEIL DES BRUNNENS IN DER MÜNCHNER VORSTADT
AU c MODELLIERT VON J. FLOSSMANN
sance ist, die heute ihre Pforten aufthut,
mag Kampf und Frage gleich überflüssig erscheinen
. Sie schreiten ihres Wegs, unbekümmert
um die Fehden der rauhen Gegenwart
, sie tragen den Glauben an ihre Mission
mit heiterem Lächeln durch das Getriebe des
Tages, und die schwülen Dünste, die dräuend
über das Land ziehen, dringen nicht durch die
rosendurchwobenen Vorhänge ihrer Gemächer.
Aber Ideologen taugen uns nicht,
wenn auch ihre Zahl heute schon
nicht mehr gering ist. Jeder Kampf
kann naturgemäss nur da ein ehrlicher
und gesunder sein, wo nicht
mehr als zwei Parteien um die
Palme ringen. Mag man diese nun
heute als die Alten und die Jungen
, als die Historischen und die
Modernen, als Reaktion und Fortschritt
bezeichnen das klare
Bild der Gegensätze ist ja jedem
bekannt. Es ist nicht ein Kampf
um die Kunst, sondern um die
Künste, dessen Zeugen und Mitwirkende
wir sind, besser noch:
ein Kampf der Künste, die über
dem Banner der Heere schützend
schweben. Wo auf der Walstatt
unser Platz ist, braucht hier nicht
gesagt zu werden. Aber das Recht,
das wir oft in Anspruch genommen
haben, fordern wir heute: einmal
aus der Front zurückzutreten und,
den Blick ungetrübt von Staub
und Dunst, die Schlachtreihen achtsam
zu mustern. Und da fällt das
Auge auf einen tüchtigen Streiter,
der eben seinen Posten verlässt,
um in einem andern Gliede, unter
neuen Genossen, aber gegen die
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