Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 155
(PDF, 126 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0167
-^4^> THEODOR FISCHER <^=^

alten Gegner, seine Kraft und Gewandtheit
zu erproben.

Der Name Theodor Fischer's hat nicht
nur diesseits des Maines einen guten Klang.
Von Geburt Süddeutscher, hat er nach Vollendung
der eingehendsten Studien auf dem
Gebiete der historischen Architektur in der
Schule des Mannes den Grundstein zu seiner
künstlerischen Selbständigkeit gelegt, der als
erster an einem gewaltigen Bau von nationaler
Bedeutung auch den Forderungen einer
nationalen Kunst ganz zu entsprechen imstande
war. Von seiner Thätigkeit im Atelier des
Reichshauserbauers Wallot reden mehrere
Entwürfe, mit denen er im Anfang der neunziger
Jahre auf deutschen Konkurrenzen auftrat
. In dem Wettbewerb um das Kaiser
Wilhelm-Denkmal an der Porta Westphalica
errang er den ersten Preis. Hier wie in
dem ausserordentlich persönlichen Entwurf
für das Leipziger Völkerschlachtdenkmal fand
er für das ideelle Problem auch nach seiner
ethischen Seite den erschöpfenden formalen
Ausdruck echter Monumentalität.

Aber bald finden wir Fischer wieder auf
heimischem Boden: als Bau-
arntmann tritt er an die Spitze
des kommunalen Bauwesens der
Stadt München. Hier vollzog
sich in ihm der Umschwung,
der ihn zwischen der romanisch
gefärbten italienischen Renaissance
seiner Meister, der in
Vorwürfen monumentalerPracht
von oft spezifisch dynastischen
Tendenzen seine höchsten Triumphe
feiert, und der mehr auf
intimere, bürgerliche Wirkungen
ausgehenden, mit historischen
Faktoren stammeseigner Entwicklung
operierenden architektonischen
Geschmacksrichtung
der Süddeutschen den Mittelweg
finden Hess. Es sei nicht etwa
der Verdacht ausgesprochen,
als habe der Künstler sich aus
äusseren Gründen, die aus dem
Wandel seiner öffentlichen Position
entsprangen, zu einem
künstlerischen Kompromiss verstanden
. Ein Zweifel an der
Echtheit seinerinneren Entwicklungwäre
um so unangebrachter,
als er gerade mit seinem Hauptwerk
auf bayerischem Boden
bewies, dass Konvention, Zunftgeist
, Paktieren mit dem Geschmack
der Menge und wie

die Scheuklappen der „notgedrungenen Rücksichten
" alle heissen, einer Individualität wie
der seinen ihrem eigentlichen Wesen nach
fremd sind. Dass er mit seinem Bismarckturm
am Starnbergersee (Seite 162—166), der im
Jahre 1899 eingeweiht wurde, einen wirklich
grossen Wurf gethan hat, ist nachgerade zu
allgemein anerkannt, als dass es hier noch
weiterer Begründung durch Wort und Bild bedürfte
. Der Bau hat, von seinen künstlerischen
Qualitäten hier ganz abgesehen, nicht nur alle
Eigenschaften, die im Empfinden des Volkes
einen bleibenden und überzeugenden Eindruck
zu machen im stände sind, sondern er kann auch
so aus dem Bewusstsein des Volkes heraus
das Bild des Bismarckschen Genius in seiner
Weise festhalten „wie im Traum es ihn trug".
Aus der schlichten Halle, deren weite Bogen
und breite Treppen schutzverheissend den
Wandrer aufnehmen, hebt er sich mächtig
empor, von den Schwingen des deutschen
Adlers überschattet, mit seinen scharfen,
straffen Profilen, seinen deutlich redenden
Skulpturen, in denen die Poesie des deutschen
Volkes lebt, ein Sinnbild männlicher Charakter-

TEIL DES BRUNNENS IN DER MÜNCHNER VORSTADT
AU * « MODELLIERT VON J. FLOSSMANN

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