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-ö=^> THEODOR FISCHER
schafTenen liegt nicht im Sinne dieser Zeilen,
deren uns ja auch die jedem zugängliche
Wirklichkeit enthebt. Jedenfalls geht das
matte Blau der Bänke, das Weiss der Wände
und der kühle Freskoton der bemalten Flächen
ganz wundervoll zusammen
; nur die
Krystallbehänge
der Bogenlampen
schlagen in diesem
echt kirchlichen
beruhigendenStim-
mungsaccord einen
etwas weltlichen
Ton an. Der schöne
Entwurf zur Ausmalung
der Apsis,
eines der letzten
Werke von Wilhelm
Volz, wird
hoffentlich noch von
geschickter Hand
nachträglich ausgeführt
. In der Ausmalung
der Emporenbrüstung
, für
die Scenen aus
dem Leben jesu bestimmt
sind, eröffnet
sich den Münchner Künstlern noch
ein weites und dankbares Feld. Aber
auch der plastischen Dekoration hat der
Baumeister die Sorgfalt zugewendet, die
den harmonischen Gesamteindruck aller
seiner Werke bedingt. In den verschiedenen
Wendungen, mit denen er den
Uebergang der Säule in den Bogen gestaltet
— von denen unsere Abbildungen
(Seite 171 —174) die allermeisten vorführen
— steckt ein so sprudelnder Reichtum
der Phantasie, ein so durchgebildetes
Empfinden für das tektonisch Glaubhafte
und Wirksame, dass unserer Ueberzeugung
nach dem so oft gepriesenen Können der
romanischen Steinmetzen auf diesem Gebiet
hier etwas vollständig Ebenbürtiges
erstanden ist. Die Formenelemente der
christlichen Symbolik bilden die Unterlage
, die Ausführung in Stein ist besonders
auch durch die geschickte Ausnützung
des Raumes bemerkenswert.
Als Leiter des Stadterweiterungsamtes
München hat sich Fischer wie kaum ein
andrer in die architektonische Physiognomie
dieser Stadt hineingearbeitet. Und so
erscheint es uns wie selbstverständlich,
dass sein Name auch mit dem Projekt
verknüpft ist, das einen der landschaftlich
reizvollsten Teile Münchens endlich auch
in würdiger Weise in den künstlerischen
Zusammenhang des Stadtbildes hineinzuziehen
unternimmt. Bekanntlich trat vor einem Jahre
reliefs vom bismarckdenkmal am starnbergersee
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