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^4sg> THEODOR FISCHER <^=^
HAUPTPORTAL DER STÄDTISCHEN HÖHEREN TÖCHTERSCHULE IN MÜNCHEN
lernen, dass es vorteilhafter ist, Kunst zu
treiben in Verbindung mit der Baukunst,
GIEBELWEIBCHEN VON DER STÄDTISCHEN
HÖHEREN TÖCHTERSCHULE IN MÜNCHEN
MODELLIERT VON TH. VON GOSEN « « « «
statt Tageblattruhm in den Kunstausstellungen
zu holen.
Vorläufig freilich werden uns dieselben
Personen, welche für den architektonischen
Schmuck oben angedeuteter Art unbesehen
Tausende bewilligen würden, für eine gute
Figur oder ein Fassadenbild 2000 Mark rundweg
abschlagen; denn dass man sein Haus
mit Gips und Cement in nichtssagenden
Formen dekoriert, gehört zum Gebot des
Anstandes, Kunst aber ist Luxus. Solange
Kunstsachen den Majoritätsbeschlüssen von
Laienkollegien unterliegen, wird sich das nicht
bessern, und insofern dies ein Punkt ist, wo
der Hebel zu allererst eingesetzt werden sollte,
ist die Abschweifung hier auch nicht am
falschen Platze.
So sehr wir oft bei öffentlichen Bauten
verlegen sein können um die Gegenstände
der Darstellung, so wenig ist dies beim Schulhaus
zu befürchten, denn alle Stoffe der Sage,
des Märchens und der Religion, die unsere
Altvordern an ihren Bauten lebendig werden
Hessen, und für die wir Grossen von heute
zumeist die Naivetät verloren haben, alle diese
sind vortrefflich geeignet für die Schule. Um
eins wäre zu bitten, dass man nicht die Nase
rümpfe, wenn auch einmal ein Spass, sei's
auch ein derber, unterläuft; es scheint fast,
dass der Humor ein Leitfossil für eine Zeit
des Aufwärtsstrebens sei. Möge man doch
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