Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 182
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0194
THEODOR FISCHER

besonders in Mittel- und Süddeutschland so
fremdartig die Einheit der Landschaft zerstören
. Diese lokale Einheit der Farbe, deren
Grundlagen oft sehr schwer festzustellen sind,
ist etwas, was ein feinfühliges Auge heute
oft schwer vermissen muss.

Von der erzieherischen Wirkung eines
Schulgebäudes wird hier im allgemeinen
und nicht im besonderen für die Kinder
gesprochen, denn beides ist gleich wichtig
und gleich möglich. Anders ist es nun,
wenn wir uns ins Innere der Schule verfügen
. Hier fängt das ausschliessliche Reich
der Kinder an. Die künstlerischen Grundsätze
bleiben aber wohl dieselben, draussen
wie drinnen. Wir verlangen hier wie dort
vernünftige Einfachheit und natürliche Ehrlichkeit
. Es ist ein Krebsschaden der heutigen
Bildung in fast allen Kreisen, dass man
mehr scheinen lassen will, als da ist; dass
man Gips bronziert und Fichtenholz mit
Eichenholzmaser bemalt. Das sind Sünden
der schlimmsten Art, die im
Schulhaus so verpönt sein sollten
wie jede gesprochene Lüge. Wenn
die Kinder nie die Verleugnung
des Materials zu sehen bekommen
, wenn sie nie etwas loben
hören, deshalb, weil es reich
aussieht, sondern nur, wenn das
Werk ehrlich ist nach Zweckbestimmung
und Materialbehandlung
, dann sollte man meinen,
dass allmählich jene unheilvolle
Sucht nach äusserlicher Vornehmheit
, die unserem Streben das
schwerste Hindernis ist, vergehen
müsste.

Wenn wir hier allem unnötigen
Schmuck, den wir nach unserer
Auffassung als solchen ja nicht
anerkennen, dasRechtabsprechen,
so wolle das nicht aufgefasst
werden, als wenn wir der kalten
Nüchternheit das Wort sprächen.
Die Stimmung des Heimlichen
und Behäbigen hängt aber gar
nicht zusammen mit dem Aufwand
, sondern es mag einem
tüchtigen Künstler wohl gelingen,
einen Raum ohne alles, was man
gemeiniglich Ornament nennt, so
schön zu gestalten, dass eben
nur die heutige Verbildung etwas
zu vermissen hätte. Der Einfall
des Lichtes, die Ausnützung des
Reflexes, die harmonischen Verhältnisse
eines Raumes, Kontraste

in einer Raumfolge, Vermeidung der mathematischen
Regelmässigkeit, des grössten Feindes
künstlerischer Wirkung, und die gute Wahl
der Farben an den Wänden und der Decke, das
sind alles Mittel, die gar nichts kosten, und
doch die feinsten von allen. Wenn dann in
dieser Einfachheit ein gutes Bild an die Wand
gehängt oder eine Plastik aufgestellt wird,
so erhöht sich Raum und Kunstwerk in
gegenseitigem Wetteifer. Das gilt nun in
gleicher Weise von den Vorräumen und von
den Schulsälen. Dort verlangen wir im allgemeinen
wohl lichtere Töne. In den Schulsälen
aber gehört die Farbe an die Wand;
da wir uns gewöhnt haben, ein übriges an
Fensteröffnungen zu thun, ist es wohl nicht
mehr nötig, allzu zimperlich helle Töne zu
verlangen. Das Holzwerk, sofern nicht das
billigste Weichholz genommen ist, behält am
besten seine Naturfarbe unter einem Firnis,
schon der Reinlichkeit wegen. Wollen wir
aber Deckfarbe, so sei uns die Freude eines

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