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-s-^> DAS SCHULGEBÄUDE <^$^
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FENSTERUMRAHMUNG AN DER
STÄDTISCHEN GEWERBESCHULE
farbigen Anstrichs gewährt. Fern weisen wir
ab die Chokoladetöne und noch ferner die
oben schon verdonnerte Imitierung edler
Holzarten. In München hat man mit vielem
Glück versucht, den Ton unserer alten Bauernmöbel
mit ganz einfacher Bemalung anzuschlagen
. Anderswo versuche man etwas
anderes.
Es ist nicht unwichtig, auf die Wirkung
der Sprossenteilung in den Fenstern aufmerksam
zu machen, die dem falschen Glauben,
dass sie zu viel Licht wegnehme, aus unseren
Schulhäusern wie aus den Wohnräumen im
Laufe der Zeit weichen musste. Ein Fenster
mit grossmächtiger Spiegelscheibe gilt als
besonders vornehm, hauptsächlich deshalb,
weil es viel kostet. Dann hängt man es aber
mit dicken Vorhängen wieder zu in einem
ganz natürlichen Gefühl, dem nämlich, dass
ein Raum mit Spiegelscheiben nicht nach
aussen abgeschlossen erscheint und deshalb
nicht intim, wie der Ausdruck von heute
lautet, wirken kann. Das viel einfachere
und für Schulsäle sehr zu empfehlende Mittel,
dies zu erreichen, ist aber die Sprossenteilung,
wie denn gerade in den grossfenstrigen Schulzimmern
die gute Teilung der Fenster von
grösster Wirkung ist.
Diejenigen Räume des Hauses, denen eine
Auszeichnung zukommt, sind wohl die Eingangshalle
, das Treppenhaus und die Aula;
aber auch hier empfiehlt es sich, die Steigerung
nicht in einer Mehrung von Ornamenten
, Thüraufsätzen und Stucksäulen zu
suchen, sondern in der Anbringung guter
Kunstwerke, die durchaus nicht immer sich
WINTHIRBRUNNEN IN MÜNCHEN-NEUHAUSEN
NACH ENTWÜRFEN THEODOR FISCHERS AUSGEFÜHRT
VON J. BRADL«««« ««*«««*
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