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-s=4^> THEODOR FISCHER, DAS SCHULGEBÄUDE <^-^
RICH. RIEMERSCHMID, KRONLEUCHTER « AUSGEFÜHRT
VON K. M. SEIFERT & CIE., DRESDEN
durch die bekannte Bezüglichkeit auf das
Kinderleben auszuzeichnen brauchen. Das
Treppenhaus werde wohl mit einigen Werken
der Schmiedekunst versehen, denn es ist
darauf zu achten, dass alles Handwerk vertreten
sei und fügt ein frommer Wunsch
dazu auch in technischer Hinsicht nur
bester Art. Da aber ist der schlimme Riegel
vorgeschoben, den zu entfernen wir uns noch
lange bemühen werden, und der heisst: Verdingung
an den Billigsten.
Ein Wort noch über den Spielhof, den
Platz der Erholung und der Lust! Wie oft sind
diese Höfe leider zwischen hässliche graue
Rückgebäude eingezwängt! Mit gutem Grund
ist deshalb eingangs die Lösung des Gruppenbaues
um den Hof so hervorgehoben worden,
die nur eben leider in ökonomischer Hinsicht
ihre Bedenken hat. Immerhin gelingt
es wohl auch, durch Baumpflanzungen einen
im Innern eines Baublocks liegenden Hof zu
einem erfreulichen Ort zu gestalten, besonders
wenn alles, was vorhanden ist, Brunnen,
Bänke, Mauern und Hütten, mit Liebe und
Geschmack gemacht wird, und noch mehr,
wenn dort aus unseren Museen und Kunstausstellungen
Werke im Freien oder in Hallen
könnten aufgestellt werden.
Auf diesen und ähnlichen Wegen ist vielleicht
das Schulhaus zu erreichen, das kunsterziehend
auf jung und alt wirken könnte.
Aber dazu, höre ich alle Gemeinderäte
Deutschlands sagen, haben wir kein Geld.
Wir müssen alljährlich drei Schulhäuser
bauen für eine halbe Million, damit die
Kinder untergebracht sind, den Luxus des
Schönen können wir uns nicht leisten. Ach,
wie oft sollen wir noch nachweisen, unwiderleglich
nachweisen, dass Kunst wenn sie
so ist, wie sie sein soll - - mit Luxus nichts
zu thun hat. Für die Leute bleibt geschmackvoll
mit teuer immer noch gleichwertig, und
umgekehrt, was nicht viel kostet, ist nicht
weit her. Solange dieses Dogma noch in
den Köpfen steckt, wird die symmetrische
Normalfassade der Gipfelpunkt des Schulgebäudes
bleiben. Wenn aber Natürlichkeit
und Einfachheit des Denkens doch noch einmal
über unseren Geistesdrill den Sieg davonträgt
, dann werden wir ein stolzes und wohnliches
Schulhaus bauen können, aus dem das
Kind das Schönheitsbedürfnis mit in die
Familie und, wenn aus den Buben Volksvertreter
geworden sind, mit in die Oeffent-
lichkeit hinüber tragen soll.
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RICH. MÜLLER, KRONLEUCHTER « AUSGEF.
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