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^=^> DARMSTADT NACH DEM FEST <^^~
Behrens konnte das, was er für Nürnberg
that, für Darmstadt nicht ablehnen, und so
heisst es, dass er bleibe. Aber er macht
keine Miene, in sein Haus einzuziehen, und
mir scheint, aber ich will nicht indiskret sein.
Die beiden, bis jetzt nicht Genannten, Bosselt
und Habich, sind Hessen, ihr Verhältnis zu
Darmstadt ist also wesentlich anders.
Kann man nun behaupten, die Kolonie sei
in der Auflösung begriffen?
O, man kann auch das Gegenteil sagen.
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DOPPELSCHALE « ENTWORFEN VON F. ADLER
AUSGEFÜHRT VON W. SCHERF & CIE., NÜRNBERG
ZU UNSEREN BILDERN
Lichtträger der Firma K. M. Seifert
& Cie. in Dresden. Der Purismus, die Ingenieurkunst
ist der neuen Richtung auch von
solchen Leuten vorgehalten worden, an deren
künstlerischer Kultur nicht zu zweifeln ist. Ob
nun der „Maschinenstil", der in der besten
Zweckerfüllung seine schönste Lösung sieht,
ob die Freude an formenreicher Phantasie den
Vorzug verdient, das ist in dieser Allgemeinheit
nicht zu entscheiden. Alles kann übertrieben,
das beste Prinzip ad absurdum geführt werden,
und jede Revolution verfällt zunächst einem
Extrem. Aber wo es gilt, die neue Grundlage
für eine neue, unser ganzes Leben durchdringende
Kunst zu schaffen, da heisst es
vor allem den Platz von jedwedem Gerümpel
säubern, auch auf die Gefahr hin, das malerische
Stilleben zu opfern, das allzulange
schon den Ehrenplatz in unserem Kunstgewerbe
eingenommen hat. Ein Gebiet, auf
dem die Befreiung von ornamentalem Zierat
am wohlthätigsten gewirkt hat und allein schon
einer künstlerischen Leistung gleichkommt,
ist das weite Feld der Metallbearbeitung.
Erst die neueste Zeit hat den malerischen
Reiz matter oder polierter Metallflächen wieder
erkannt und die elastische Biegsamkeit dieses
Materials künstlerisch auszunutzen verstanden.
Benson, mit dessen Werken wir, vor nun
vier Jahren, unsere Hefte eröffneten, hat durch
sein Beispiel bahnbrechend gewirkt. Und
jetzt schon, während sich in England ein
Stillstand bemerkbar macht, übertreffen manche
unserer Fabrikate jene Leistungen an Mannigfaltigkeit
und Entwicklungsfähigkeit. Insbesondere
hat die Firma K. M. Seifert & Co.
in Dresden in Verbindung mit den tüchtigsten
Künstlern die in obigem Sinne besten Modelle
von Beleuchtungskörpern mit den Mitteln einer
vollendeten Technik zur Ausführung gebracht
und sich dadurch eine führende Stellung in
der weiteren Entwicklung dieser Branche gesichert
. Mit ihr ist unserer Richtung wieder
eine neue Firma gewonnen, die der Sache
zu dienen ebenso bereit scheint, wie es uns
sicher ist, dass der frische Wagemut seinen
Lohn finden wird.
Die Rheinischen Glashütten in Köln
hatten schon auf der Pariser Weltausstellung
eine Anzahl sehr bemerkenswerter moderner
Tafelgläser zur Schau gebracht, die durch
Form und Technik Interesse erregten; wie
z. B. das anmutige Service mit aufgesetzten
Glastropfen (vgl. S. 188 links), oder die mit
farbigem Ueberfangglas hergestellten, dem
Blätterkelche abgelauschten Formen (S. 189).
Seitdem sind weitere Muster hinzugekommen,
die durch vornehme Kontur, gute Verhältnisse
und endlich durch den schönen Glanz
des reinweissen Glases wirken. Wir möchten
diesem vor dem farbigen den Vorzug geben.
Denn, so sehr das letztere die Tafel zieren
kann, wenn das Arrangement von kundiger
Hand geleitet wird, so streitet sich die Farbe
des Trinkglases doch stets mit der des Weines,
und es scheint uns schade, diese zu beeinträchtigen
. Behrens hat daher bei seinem
Glasservice (s. Jahrg. V, H. 1, S. 24), das von
der gleichen Fabrik herrührt, den kräftigen
Farbton auf den Fuss des Glases konzentriert,
und so das Mittel gefunden, dem Gold des
Weines und farbenfroher Pracht der Tafel
gerecht zu werden. Wie für den Beleuchtungskörper
in Benson, so hat England auch
für das Glasservice in der Firma Powell
eine mustergültige Vertretung gefunden. Aber
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