Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 191
(PDF, 126 MB)
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^=^> ZINNARBEITEN VON F. ADLER <^=W-

alle Ansätze sind vorhanden, die uns hoffen
lassen, dass wir in Deutschland auch auf
diesem Gebiete dem Vorbilde gleich kommen,
ohne es nachzuahmen, und die Rheinischen
Glashütten sind in diesem Wettkampfe nicht
ohne Aussicht auf Erfolg.

Zinnarbeiten von F. Adler, denen wir
zuerst in Darmstadt begegneten, machten uns
auf ein junges, vielversprechendes Talent aufmerksam
, das, von einem starken Formgefühl
getragen, jetzt vielleicht noch etwas unsicher,
sich bald zu grösserer Klarheit und Eigenart
durchringen und sich von den letzten Fesseln
übernommener Kunstgewerbelehren befreien
wird.

Paul Kersten's Einbände. Der Zug
unseres heutigen Dekors geht mehr wie je
dahin, einerseits durch grÖsstmögliche Oeko-
nomie der ornamentalen Mittel, andererseits
durch die Art ihrer Ausführung und Anbringung
jene vornehme Einfachheit zu erzielen
, die als Zeichen guten Geschmackes gilt.

Dass diese Richtung auch auf dem Gebiete
des Buchgewerbes auf der ganzen Linie gesiegt
hat, lehrt fast jedes Schaufenster unserer

schüssel « « entworfen von f. adler
ausgef. von w. scherf & cie., nürnberg

Buchhandlungen. Der goldbeladene Prachtband
mit Triumphpforte, Herolden und Guir-
landen ist so gut wie verschwunden, und
wenn dafür die Grotesklinie auch oft ihr
phantasieloses Unwesen treibt, so sprechen
doch alle Anzeichen für eine Besserung auch
ihres wandelbaren Charakters.

Unter den Meistern, welche den Bucheinband
im oben angedeuteten Sinne wieder
künstlerisch zu Ehren gebracht haben, verdient
Paul Kersten in Deutschland einen
ersten Platz. Die Mehrzahl seiner Einbände
(siehe Seite 192 und Band VI Seite 335)
zeugen von jener weisen Sparsamkeit, die
den schönen weichen Ton des Leders nicht
mit Blattgold verdeckt, sondern im Gegenteil
durch feinfühlige Linienführung ihn zu halten
und zu erhöhen sucht.

Wie Kersten dies thut, ist jedenfalls ge-

wandleuchter « entworfen von f. adler
ausgeführt von w. scherf & cie., nürnberg

schmackvoll. Der etwas unpersönliche Zug
seiner Leistungen scheintuns dabei kein Fehler;
denn im Grunde eignet dem Buchdeckel doch
etwas von dem, was für andere Dinge der
Handgriff ist. Ein Zuviel ist da schädlicher
als ein Zuwenig. Zwar gegen den Wunsch
nach innerer Harmonie des Deckels mit dem
Inhalt ist prinzipiell nichts einzuwenden. In
Wirklichkeit aber sind der in diesem Sinne
gemachten Versuche nur wenige zu loben.

Ein anderes ist es um die angewandten
Mittel. Bei Kersten ist jeder Einband ein
Original wie irgend eine andere Zeichnung.
Die technische Schwierigkeit, diese Zeichnung
auf Leder zu übertragen, erklärt zur Genüge
den hohen Preis dieser Einbände von oft
hundert Mark und mehr. Uns dünkt aber,
hier trenne sich Kunst und Handwerk, und

fruchtschale « entworfen von f. adler
ausgef. von w. scherf & cie., nürnberg

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