http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0204
EINBÄNDE VON PAUL KERSTEN
das Handwerk komme dabei zu kurz. Ob
unter den Handwerks-Emblemen des Buchbindergewerbes
der Stempel sich befindet,
wissen wir nicht; wir meinen aber, er gehöre
dazu. Kolo Moser hat neuerdings in seinen
Einbänden gezeigt (siehe Band VII Seite
233/234), welche reizvollen Wirkungen durch
die unendlichen Variationen und Kombinationen
von nur wenigen Stempelmustern
sich erzeugen lassen. Findige Phantasie wird
mit zwölf Formen so viel verschiedene
Werke schaffen können, wie es die Musik
mit zwölf Tönen thut, und innerhalb dieses
Rahmens bleibt der Einband das, was er vernünftigerweise
sein sollte: eine Schutzdecke
für das Buch. Als dagegen die Juroren die
Einbände der Pariser Weltausstellung zu beurteilen
hatten, durften sie die subtilen Erzeugnisse
einiger französischer Meister nur
mit einem Tuch auf der Hand berühren.
Damit tritt aber eine Verschiebung des natürlichen
Verhältnisses zwischen Buch und
Deckel ein, auf die wir hier im allgemeinen
und ohne spezielle Rücksicht auf den Meister
der vorliegenden Einbände hingewiesen haben
möchten.
Für die Redaktion verantwortlich: H. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.
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