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charles r. mackintosh « landhaus windyhill, südseite
DIE GLASGOWER KUNSTBEWEGUNG:
CHARLES R. MACKINTOSH UND MARGARET MACDONALD-MACKINTOSH
Von H. Muthesius, London
In der neueren englischen Kunstentwicklung
bezeichnet das Datum des Todes William
Morris' (1896) einen scharfen Einschnitt.
Alle die Werte, mit denen die englische
Kunstbewegung anregend und vorbildlich geworden
ist, lagen damals fertig vor, sie waren,
wenn auch nicht alle von Morris selbst, so
doch von einer im tiefsten Ernst schaffenden
Künstlerschar erzeugt worden, die in Morris
willig ihren Führer anerkannte. Und es gewährte
damals für jeden Besucher Englands
einen eigentümlichen Genuss, die ganze
Musterkarte dieser Werte durchzuprüfen und
damit eine mehr oder weniger geschlossene
Kulturleistung kennen zu lernen, die nur die
grösste Bewunderung hervorrufen konnte.
Das Beispiel Englands wirkte zündend: die
ganze Welt lenkte in neue künstlerische
Bahnen ein, England hatte ihr den Weg in
ein neues Kunstland gewiesen.
Wer heute die Reise über den Kanal wieder
zurücklegt, hat einen gänzlich verschiedenen
Eindruck. Es hat sich im wesentlichen seit
1896 nichts geändert. Genau dieselbe Sachlage
wie damals, ja sogar genau dieselben
Namen treten ihm entgegen, und die einzelnen
Künstler produzieren genau dieselben Dinge.
Ein ganz offenbarer Stillstand. Das wäre
nicht so schlimm, wenn der Gegensatz zu
den inzwischen ausserhalb Englands gemachten
Fortschritten diesen Stillstand nicht so
scharf beleuchtete. Und es wäre nicht so
Dekorative Kunst. V. 6. März 1905.
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