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-sMsö> DIE GLASGOWER KUNSTBEWEGUNG
CH. R. MACKINTOSH « GAR DERO BESCH RANK, WEISS EMAILLIERT
, DIE FEDERN DER VÖGEL PURPURFARBIG AUSGEMALT
meinschaft mit ihren männlichen Partnern
ihren Beruf weiter aus. Ausserhalb Englands
fanden die Arbeiten der Gruppe die
lebhafteste Anerkennung auf der Secessions-
Ausstellung in Wien 1900, zu der Charles
R. und Margaret Macdonald-Mackintosh
eingeladen worden waren.
In Glasgow ist inzwischen eine ganze
Schule entstanden, die in den von der Gruppe
betretenen Wegen wandelt. Für den als
Fremder nach Glasgow Kommenden haben
die dortigen Leistungen der neuen Kunstbewegung
daher den Charakter eines Ortsstils
. Es steht natürlich nicht alles auf der
Höhe der Werke der Führer. Aber ein gemeinsamer
Zug weht fast durch alle neue
Aeusserungen der dekorativen Künste. Bereits
haben einige Geschäfte sich den Erfolg der
neuen Richtung zu nutze gemacht und junge
Künstler herangezogen. Die letzte Glasgower
Ausstellung, über die auch an dieser Stelle
berichtet worden ist, zeigte viele derartige
Beispiele. Diese von der Mackintosh-
Gruppe abhängige Kunst hat dabei
keineswegs den wertlosen Charakter,
den die kontinentale Bewegung in den
niederen Schichten der Industrieerzeugung
angenommen hat, es handelt sich
mehr um einen künstlerischen Anhang,
der sich hauptsächlich aus Schülern der
dortigen Kunstschule rekrutiert.
Bei Betrachtung der Eigentümlichkeiten
dieses von der Mackintosh-
Gruppe erzeugten Glasgower Stils liegt
es nahe, daran zu denken, wie weit sie
etwa örtlich bedingt sind. Auch für den,
der sich der Gefahren bewusst ist, die
ein allzutiefes Forschen nach den Ursachen
, dem GoETHE'schen Worte zufolge
, mit sich bringt, prägt sich doch
der Eindruck ein, dass hier eine gewisse
Beziehung zwischen dieser Kunst und
dem Ortsgeiste Schottlands vorliegt.
Dieses Land der eigenartigen Mischung
von Puritanismus und Romantik, von
Abstinenz und Mysticismus musste,
wenn Neuausgänge genommen wurden,
die so sehr den persönlichen Stempel
trugen, wie es hier der Fall ist, auf
etwas ähnliches wie die Mackintosh-
sche Kunst kommen. Zweierlei scheint
sich in ihr zu vereinen: eine äusserste
Straffheit und Enthaltsamkeit der Linie
mit einem Hang zu geheimnisvollen
Effekten. Diese Effekte stehen immer
auf breiten ungeschmückten Flächen,
erheben sich aber dann zu einer besonderen
, edelsteinartigen Wirkung und
CH. R. MACKINTOSH « WOHNZIMMERLAMPE
AUS VERSILBERTEM KUPFER U. MILCHGLAS,
VERZIERT MIT GRÜNFARBIGEM GLAS « « ««
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