Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 213
(PDF, 126 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0225
-^^> CHARLES R. MACKINTOSH -(^^

kann man heute in den Räumen unserer
höchsten Kreise erleben, wo auf Schreibtischen
, Tischen und Schränken fast kein
Quadratzoll gelassen ist, der nicht mit Photographien
, Nippsachen, Büchern und allerhand
überflüssigem Krimskrams bedeckt wäre.
Das Barbarische dieser Gewohnheit tritt am
deutlichsten hervor, wenn man das Zimmer
eines Kulturvolkes kennt, mit dessen Feinempfinden
in Geschmackssachen sich kein
anderes Volk der Erde messen kann: das
Zimmer des Japaners. Es ist absolut leer.
Sein einziger Schmuck besteht in einer Nische,
in welcher ein Bild aufgehängt und eine oder
zwei Vasen oder Blumentöpfe aufgestellt sind.
Alle anderen, in der Regel reichlich vorhandenen
Kunstwerke ruhen im feuerfesten
Schatzhause und werden nur bei feierlichen
Gelegenheiten hervorgeholt, um Freunden gezeigt
zu werden, die sich dafür interessieren.
Das ist vornehme Kunstpflege. Dieser
Abschweif sollte mir zur Unterstützung der
Mackintosh'sehen Ansicht dienen, dass ein
spärlich mit Gerät besetzter Raum künstlerisch
höher steht als ein vollbesetzter der heutigen
Art. Die Möbel treten bei den Mackintosh's
als organische Teile des Zimmers auf, die
Schränke und Bänke als Teile der Wand,

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ENTWURF EINES KÜNSTLERHAUSES MIT
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gegen die sie gestellt sind. Die Grundgestalt
ist in allen Fällen einfach, fast
primitiv; aber sie sind dennoch weit entfernt
, bäuerisch zu wirken, das verhindert
ihre durchgeistigte Form, die feine Fügung
, die sorgfältige Oberflächenbehandlung
. In Wandschränke werden gern
Thüren mit farbiger Glasfüllung gesetzt,
deren Glas jedoch opak in Wirkung tritt
(Abb. auf S. 200). Bei Stühlen ist die
ungemein hohe Rücklehne beliebt. Die
Lieblingsfärbung der Möbel istfürWohn-
und Schlafzimmer weiss, sonst grün oder
schwarzbraun.

Ganz merkwürdig werden die Beleuchtungskörper
behandelt. Hier halten die
Mackintosh's, einerlei ob es sich um
Gas, elektrisches Licht oder Oel handelt,
mit grosser Vorliebe an der Kastenform
der Laterne alten Schlages fest. Die
Kästen werden in Gruppen und diese in
fast soldatischer Aufstellung längs der
Decke angeordnet und bilden so ein
Hauptmotiv in der Architektur des
Raumes (S. 197). Sehr häufig sind die

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