Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 216
(PDF, 126 MB)
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^=4^> DIE GLASGOWER KUNSTBEWEGUNG <^tp-

Kenntnis von Gut und Böse und die Ewigkeit
" (die letztere durch die drei verschlungenen
Kreise) dargestellt. Solange
nicht vom Beschauer verlangt wird, dass
er die Bedeutung beim Anblick der Ornamente
von selbst erkennt, wird man sich
mit der rein dekorativen Wirkung derselben
gern zufrieden geben. Immerhin
aber ist ja nicht zu verkennen, dass der Besitzer
eines so geheimnisvoll geschmückten
Gegenstandes den verborgenen Sinn festhalten
wird und so das Ornament wirklich
in ihm höhere Gedankengänge anregen
kann. Das am meisten angewandte,
recht eigentlich persönliche Ornament der
Mackintosh's ist die stilisierte weibliche
Figur nach Art der Abbildungen auf
S. 219 bis 221. Hier treffen wir ein Weiterschreiten
auf den Wegen der schwungvollen
figürlichen Linienkomposition an,
die von Blake, Rossetti und Toorop
vorgezeichnet worden sind. Vor allem
lebt hier der starke Rossetti-Einfluss

CH. R. MACKINTOSH « MODELL EINER BILDHAUERARBEIT

CH. R. MACKINTOSH « EX LIBRIS : JOHN KEPPIE

noch in ausgesprochener Weise weiter,
dem der bessere Teil der englischen Kunst
in den letzten 50 Jahren so viel zu verdanken
gehabt hat. Aber er ist hier unheimlich
ins Dekorative gesteigert, so dass
eine traumhaft phantastische Linienführung
den Charakter des Figürlichen oft ganz
erstickt. Eine reichste dekorative Wirkung
üben diese Füllungen vor allem in getriebenem
Metall aus, das von Frau Margaret
Macdonald-Mackintosh in einer
ganz eigenartig grosszügigen Weise behandelt
wird, die Abbildungen auf S. 220
und 221 geben hiervon Zeugnis. Hier
stehen wir in der That vor Leistungen von
höchster Eindrucksfähigkeit und sattester
dekorativer Qualität. Höchst interessant
ist, wie ein Begleitlinienspiel die Figuren
umwebt und deren Linienführung ergänzt
oder durch Gegensatz hervorhebt. In der
Abbildung auf S. 220, welche die Schönheit
darstellt, wird es von Rosengezweig gebildet
, in der auf S. 22 1 rechts von fallenden
Thränen, die den Augen der männlichen
Figur entfliessen. Hier handelt es sich
um „den Flussgott, welcher über die betrogene
Liebe der Welle klagt, die seinen
Armen enteilt, um sich dem Meergott zu
ergeben". Die Abbildung auf S. 217
stellt das Schlüsselschild einer Schreibzimmerthür
dar, und die sich zurückbeugenden
Figuren sollen die oberflächliche
und nichtige Art des heutigen
Briefstiles versinnbildlichen im Gegensatz

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