Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 217
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0229
^=4^> MARGARET MACDONALD-MACKINTOSH ~(^=^

zu dem früheren ernsteren Briefstil, der
trauernd im Hintergrunde steht.

Es ist ein eigentümlicher Gegensatz, der
zwischen diesem Liniengewoge in seiner gesteigerten
Empfindsamkeit und der straffen
Art der MACKiNTOSH'schen tektonischen Gestaltung
obwaltet. Aber der Gegensatz hat
den Sinn einer Ergänzung. Ein männliches
und ein weibliches Element scheint sich hier
zu vermählen. Und wo immer an einer
MACKiNTOSH'schen Schöpfung die Starrheit
der Form ins Frostige überzugehen Gefahr
läuft, da treten die weichen, von Empfindung
überfliessenden Schmuckstücke in Form einer
Füllung oder eines aufgesetzten Flächenmusters
hinzu, um die weibliche Grazie zu
dem männlichen Ernst zu fügen. Und so
hat das Ornament hier diejenige Bedeutung,
die man vom Schmuck erwarten soll; er soll
spärlich auftreten, aber dann auch wirklich
etwas ausdrücken und bewirken.

Bedenkt man die Jugend der Künstler, die
in die von ihnen geschaffene Kunstrichtung
gleichsam hineingewachsen sind, so kann man
der in Glasgow begonnenen Bewegung wohl
eine reiche Entwicklung vorhersagen. Die
Spielart, die ihre Kunst in der allgemeinen
neuen Bewegung vertritt, trägt das Gepräge
einer besonderen Rassigkeit in sich. Sie hat
sich merkwürdig geläutert von krankhaften
und dekadenten Anhängen, sie ist von strotzender
Kraft, so dass man ihr gegenüber
die Empfindung hat, dass sie den Schatz
ihres Reichtums eben erst zu erschliessen
begonnen hat. Alles in allem wird man
daher wohl noch Bedeutendes aus Glasgow
erwarten dürfen.

*f> ***


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