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VERKÜNDEN UND HANDELN
Von E. W. Bredt
Wozu über Kunst schreiben? Obrist behandelte
vor etwa zwei Jahren diese
Frage in unserer Zeitschrift. Wer seine überzeugende
Antwort gelesen, wird mich nicht
fragen, weshalb ich heute über Hermann
Obrist und seine Brunnen schreibe.
Es ist noch notwendig. Gewiss ist ein
kleiner Kreis aufmerksamer Beobachter von
dem vollen und fruchtbaren Gehalte, der
Obrist's Hauptwerken innewohnt, überzeugt.
Gross ist auch die Zahl seiner Bewunderer,
derer, die wenigstens Halt machen vor seinen
margaret macdonald-mackintosh,
farbiges paneel der blumenpfad«
Werken. — Aber während die einen wähnen,
ein weiteres Eingehen auf ihren Gehalt nähme
zu sehr bloss den Kopf in Anspruch — ahnen
andere wohl Empfindungen, wie sie den Künstler
zu seinem Schaffen gedrängt, wie sie ihn
beim Schaffen beherrscht haben, aber sie
haben keine Zeit für solche Sensationen.
Man nimmt den Hut ab wer reicht ihm
die Hand?
Und wie kann nur an solchen Werken
unsere Zeit vorübergehen — vorübergehen
bestenfalls wie das Volk an einer auffallenden
Blume in einem Laden, um gleich weiter
zu hasten zum Tingeltangel oder zu
des Tages rastloser Maschine? — Doch
mich wundert's mit Unrecht, und Obrist
selbst würde das Verhalten grösserer
Kreise nur dann wundern, wenn er
nicht wüsste, wie unmodern eigentlich
die Ursprünge seiner Arbeiten sind.
Ernste Symphonien sind nie Volksmusik
— selbst wenn eines ganzen
Volkes Sehnen in ihnen lebt. Nein, es
gähnt dabei — wacht auf, wenn die
Pauken einsetzen und dankbar
klatscht es, sowie das Spiel aus. Und
nun fehlen bei Obrist ganz und gar
die Pauken und Trompeten. Es ist eine
uralte Musik in Obrist's Werken, die
nur der wohl kennt, dem des Wassers
Rauschen eine seelenheimische Melodie.
Mystisch nur in diesem Sinne, nie aber
phantomisch ist der OßRisT'schen Kunst
Wesen. Kraftvoll und fest wie des
Felsens Gefüge und doch wieder biegsam
wie die Woge.
Aber liebt und kennt denn unser
Publikum den Felsen, das Wasser, des
Waldes Geheimnisse? Es sportet auf
die höchsten Berge, tanzt auf Vergnügungsdampfern
über die Weltmeere
und läuft durch den Wald durch. Was
jetzt gefällt, ist das Lärmende mehr
als das Stille, mehr das Momentane als
das Bleibende, das Komplizierte mehr
als das Einfache, dasjenige immer, was
mehr auf die Nerven als auf die Seele
gehende Sensationen schafft.
Das giebt die Erklärung, weshalb erst
Wenige durch Obrist's Werke stark gepackt
werden. Und nur in dem Masse
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