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=o-Srö> MARGARET MACDONALD-MACKINTOSH <^^-
die Wandbrunnen, die jüngst
entstandenen sind jene, die man
am kürzesten den alten Brunnenhäuschen
zugruppieren könnte.
Die Beurteilung dieser kann nur
eine vorläufige sein, weil das
Wasser, das hier vom Becken
aus gegen die niedrige dachartige
Höhlung springen und
vielfach verteilt herunterträu fein
und rieseln soll, selbstverständlich
den Gipsmodellen fehlt. Es
ist dies, so viel mir bewusst,
ein ganz neues Motiv, und das
Auf und Ab mag wohl der
Künstler springenden Quellen
schon als Knabe abgesehen
haben.
Am wirkungsvollsten bleibt
vorläufig Obrist immer da, wo
er völlig einfache, grosse Natursteinformationen
ins Künstlerische
übersetzt; tritt doch selbst
dagegen der auch in diesen gedeckten
Brunnen bewundernswerte
Sinn für das geheimnisvoll
Verschlossene, der in den
Urnen ungeahnten Ausdruck
findet, zurück. Man muss mit
diesen markanten neuen Symbolen
der Natur des Wassers und
des Felsens einmal neuere figürliche
Brunnen vergleichen, die
des Wassers Natur und Wechsel
darstellen sollen. Dann wird
man sich erst des grossen bezwingenden
, urwüchsigen Gehaltes
von Obrist's Werken bewusst
. Wie billig illustrativ
wirkt doch daneben der figürliche
DiETz'sche Brunnen in
Dresden, der immerhin der
beste dieser Art in Deutschland
sein mag.
Aus meist anderen als rein
künstlerischen Gründen hat der
grosse Nutzbrunnen für Mensch und Tier
bei den kritischen Beurteilern ganz besonderes
Lob gefunden. Ueber die zweckmässige
Verteilung der für den verschiedenen Bedarf
gedachten Wasserbecken ist auch thatsäch-
lich nicht erst etwas zu sagen. Aber so fein
auch die Verteilung der einzelnen Wasserbecken
für Menschen und Tiere erdacht ist —
geistvoll ist der Brunnen erst wegen des
völlig einheitlich künstlerischen Aufbaus. Das
Herrliche gerade an diesem Brunnen ist, dass
man gar nicht so bald auf die Frage kommt:
TEIL EINES VORHANGES
AUFGENÄHTER ARBEIT «
MIT
IN SILBER GETRIEBENES
PANEEL « «
hat hier der Zweck die Gestalt bestimmt, oder
hat die künstlerische Schöpfung den neu-vielseitigen
Zweck im Gefolge gehabt. Es kann
hier das eine nicht ohne das andere gedacht
werden, daher der reine künstlerische Genuss,
der gar nicht die hässlich doktrinäre Frage aut
prodesse aut delectare aufkommen lässt.
So glücklich ist Obrist natürlich nicht immer.
So reizvoll das Gefüge des „Brunnens mit
elektrischer Beleuchtung" auch gedacht, hier
ist die gedankliche Aufgabe noch nicht gelöst,
Gedanken und Empfinden sind hier in Disso-
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