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-*=4^> NÜRNBERGER MEISTERKURSE <^^-
einem ruhig ernsten, vornehmen Geschmack
heraus.
Die Reichhaltigkeit des in der kurzen Frist
von einem Monat, im Oktober, Entworfenen
war erstaunlich und zeugte von der Fruchtbarkeit
des v. kramer'schen Gedankens ebensosehr
, wie von der Fruchtbarkeit und Vielseitigkeit
von Professor Behrens, der, ohne
zu kargen, von seinem reichen Vorrat schöpferischer
Ideen verausgabt hatte. Die kleine
Ausstellung, welche Anfang November alle
Arbeiten des Kurses vereinigte, um einen
Ueberblick über das Erreichte zu gewähren,
enthielt Entwürfe zu Stickereien, Spitzen und
Buchschmuck, Tapeten in Papier und Stoff,
Entwürfe zu dekorativer Deckenmalerei, zu
Einrichtungsgegenständen wie Tische, Stühle,
Spiegel, Uhr und Rahmen, zu Truhen und
Kästchen, Kronleuchter für elektrische Beleuchtung
, Kachelöfen etc., ferner Skizzen und
Thonmodelle zu Weinkühler und Bowlen,
Leuchter und Lampen, für Schmucksachen,
Haarkämme, Stock- und Schirmgriffe, eine
überraschende Mannigfaltigkeit der Gegenstände
, Techniken und Materialien.
Die Abbildungen, welche hier von einigen der
im ersten Kurs entstandenen Entwürfe gebracht
werden, sollen die Ziele veranschaulichen,
welchen das Bayerische Gewerbemuseum zustrebt
, und zugleich den Beweis erbringen,
dass etwas entstanden ist, was sich erhebt über
die Modesucht einer Neuerung
um jeden Preis. Professor.......................................................«wn«
Behrens hat es verstanden,
seinen Schülern etwas von
seinem ruhigen, vornehmen
Geschmack zu verleihen und
einzuimpfen, und zugleich sie
zu bewahren vor dem sogenannten
„Jugendstil", dessen
Verdienst, wenn man ihm eins
zuerkennen will, nur in der Vorbereitung
und Ablenkung vom
Historischenbe-
ruht. Wahrlich
ein pädagogischer
Erfolg!
In allen Arbeiten
des Kurses
finden wir
nur den Beweis,
dass die edle,
zweckgemässe
Form, das echte
Material keiner
aufgehängten
Mätzchen bedarf
, sondern
NÜRNBERGER MEISTERKURSE: FLIESEN-DETAIL ZUM KACHELOFEN
durch sich selbst als ein vollendet Schönes
wirkt.
Das Erreichte bewog denn auch Oberbaurat
v. Kramer, die für den Sommer in Aussicht
genommene Fortsetzung der Kurse in
die Hände derselben künstlerischen Lehrkraft
zu legen und abermals Peter Behrens zu
gewinnen.
Bei diesem Erfolge wollte aber das Bayerische
Gewerbemuseum nicht stehen bleiben.
Schon von Anfang an hatte es nicht im Sinne
der Kurse und ihres Leiters gelegen, sich auf
Anfertigung von Zeichnungen und Modellen
zu beschränken. Die Entwürfe sollten auch
ausgeführt w erden, um aus der grauen Theorie
zur leuchtenden Praxis zu gelangen. Die auf
den Kurs folgende Zeit war daher der Ausführung
und Herstellung der entworfenen
Gegenstände gewidmet, und das Bayerische
Gewerbemuseum that nun, eingedenk seiner
statutengemässen Aufgabe, noch den weiteren
Schritt und bot seine Hand dazu, die Ausbildung
, welche den Teilnehmern der Kurse
gewährt worden, auch nach der kommerziellen
Seite zu fördern.
Je weiter der erste Kurs vorschritt, und je
mehr die Entwürfe Gestalt annahmen, um
so mehr reifte auch der Plan, eine ,,Zentralschau
- und -Verkaufsstelle" zu schaffen und
unter die spezielle Protektion des Bayerischen
Gewerbemuseums zu stellen, damit sie, abgetrennt
von dem Geschäftsbetrieb
der kunstgewerblichen
Magazine, rein in den Dienst
der neuen Kunst trete und
zugleich den Handwerksmeistern
die Möglichkeit eines
ideellen Zusammenschlusses
biete.
Mitte Dezember wurde der zu
diesem Zwecke an einer der
verkehrsreichsten Geschäftsstrassen
Nürnbergs, der Kaiserstrasse
, ausersehene
Laden
mit einer kleinen
, aber auserlesenen
Anzahl
von mittlerweile
fertig gewordenen
Arbeiten
eröffnet.
Die Ausstattung
des Ladens war
nach Entwürfen
von Professor
PeterBehrens
ausgeführt wor-
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