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-s-^> KÜNSTLERISCHES VON DER BERLINER HOCHBAHN <^=u^
W. CREMER U. R. WOLFFENSTEIN « BAHNHOF »NOLLENDORFPLATZ« DER ELEKTRISCHEN HOCHBAHN IN BERLIN
läge handelte es sich um einen Verkehrsweg
oberhalb des Strassenni veaus. Für die Lösungen
sind: Raumersparnis in der Herstellung des
Unterbaues, Zeitersparnis durch die Schnelligkeit
der Herstellung und äusserste Schonung
des Anlagekapitals selbstverständliche Bedingungen
. Diese schliessen ohne weiteres
einen gemauerten Unterbau aus. Die Notwendigkeit
gebiert den Eisenviadukt. Damit
wird die Aufgabe auch dem Material
nach eine vollkommen moderne, denn
das Eisen in seiner wunderbaren konstruktiven
Verwendbarkeit kennt ja die
historische Zeit nicht, sie konnte deshalb
auch keine formalen Lösungen für
dasselbe finden.
Das ist selbstverständlich, aber überaus
wichtig. Handelt es sich nämlich
um eine künstlerische Lösung einer Bauaufgabe
in Eisen, so muss dieselbe aus
dem Material und seinen Konstruktionselementen
, also aus sich selbst gewonnen
werden.
Notwendig war der Eisenviadukt, genügt
hätte die statisch sichere Lösung,
und so war sie auch ursprünglich beabsichtigt
. Kaum standen aber die
ersten Viadukte, da erhob sich ein
allgemeiner Unwille in der Berliner
Bevölkerung, die ohnehin dem ganzen Bahnbau
unfreundlich gegenüberstand. Die Unfreundlichkeit
hätte aber niemals zu diesem
elementaren Gefühlsausdruck gereicht, wenn
nicht das ästhetische Empfinden der Allgemeinheit
verletzt worden wäre. Und das ist
das Wunderbare, denn es legt Zeugnis ab
von einer versteckten ästhetischen Scheu gegen
das Eisen als künstlerisch ausdrucksfähiges
DIE ELEKTRISCHE HOCHBAHN IN BERLIN:
VIADUKT IN DER RÜLOWSTRASSE « « « c
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