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-sM^> MOGENS BALLIN'S WERKSTATT ~Cö^=~
bei der ganzen Generation der jüngeren Bildhauer
und Kunsthandwerker.
Und unter seinem Einfluss hat auch der
Künstler gestanden, dessen Namen über
diesen Zeilen steht.
Jetzt ein Mann in den Dreissigern, hatte
sich Mogens Ballin ursprünglich der
Malerei zugewandt. Als blutjunger, werdender
Künstler hatte er Paris besucht und
hatte sich wie sich das von selbst versteht
— dem extravagantesten Symbolismus
und Synthetismus in die Arme geworfen.
Jahre hindurch schwor er nur auf Gauguin
und van Gogh.
Dann hat ihm ein langer Aufenthalt in
Italien, besonders in Toskana und Umbrien,
die Augen geöffnet für die edle Einfachheit
und schlichte Frömmigkeit der alten Meister
des Trecento. Duccio, Simone Martini,
Giotto haben ihn von den Extremen in der
SIEGFRIED WAGNER «PFEFFER- UND SALZBÜCHSE
modernen Schule bekehrt; eine Zeit hindurch
ist es sein einziger Wunsch gewesen, Heiligenbilder
malen zu können. Eine Ausstellung
seiner Werke in Kopenhagen (1898)
brachte viele Arbeiten dieser Art. Aber
auch diese Beeinflussungen waren nur vorübergehender
Natur, und als Endergebnis
dieser Periode blieb ihm eine gewisse Vorliebe
für das Einfache und Schlichte.
Nachfsolchen Vorstudien trat er dem Genius
Willumsen's nahe, zu dessen archaischernster
, oft aber auch tändelnd-lebensfroher
Kunst er sich hingezogen fühlte. Die Kunst
Willumsen's ist in ihrer Freude wie in ihrer
Trauer rein heidnisch. Den antiken Stelen
hat sie ihre Würde entlehnt, den antiken
Sarkophagen ihre Heiterkeit. „Es lebe das
Leben!" könnte auch Willumsen's Wahlspruch
sein. Lebensfreude und Todestrauer
mischen sich bei ihm zu mystisch-bacchischem
Daseinsrausch.
MOGENS BALLIN « JARDINIERE,
IN KUPFER GETRIEBEN « « * «
Unter den Schülern Willumsen's befand
sich zu jener Zeit auch ein junger Bildhauer
, der sich wie Ballin von der
Malerei — von Statuen und Monumentalwerken
zur Kleinkunst hingezogen fühlte.
Es war Siegfried Wagner, jetzt der Mitarbeiter
Ballin's, denn im Frühjahr 1900
haben die zwei zusammen in Tuborg bei
Kopenhagen eine Werkstatt für Kunstgewerbe
begründet.
Es war ihnen aufgefallen, wie wenig die
neue Renaissance im Kunsthandwerke auf
einen einzelnen Zweig desselben, das Metallgewerbe
, eingewirkt hatte. Bedeutende
Künstler wie Bindesböll, Slott-Möller
und Willumsen hatten für Gold- und Silberschmiede
gearbeitet — aber den mehr demokratischen
Metallen, Bronze, Messing, Zinn,
fehlte noch jede künstlerische Pflege. Hier
öffnete sich ihnen ein weites Feld, und mit
kühnem Wagemut begannen die zwei jungen
Künstler ihre kulturelle Thätigkeit.
MOGENS BALLIN * JARDINIERE,
IN MESSING GETRIEBEN ««««
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