Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 254
(PDF, 126 MB)
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-^4s£> ILLUSTRATIVE DARSTELLUNG DER VORZEIT <^^-

GERHARD MUNTHE « SCHLUSSVIGNETTE ZU MAGNUS
ERLINGSOHN'S SAGA MIT BEZIEHUNG AUF SEINE
KÄMPFE MIT IMMER NEUEN WIDERSACHERN (1161-1184)

chischen Kreises. Damals erst gingen wir zur
naturalistischen Kunstanschauung über. Bei
unserem Eintritt in den klassischen Kreis
trafen wir mit dem romanischen Stil zusammen.
Diesen und alle späteren Stile lernt man in
den Schulen kennen, während unsere alten
Stilarten, die Stein- und Bronzezeit, wie auch
die keltische nicht gelehrt werden. Es läge
im Interesse der Kultur, meine ich, wenn wir
die Stilarten mehr als Geschwister ansehen
wollten; denn sie sind alle Kinder des elementaren
Denkens, mögen sie nun zum Naturalismus
gehören oder nicht, und als Grundanschauung
sind sie alle gleichwertig. Ihr
Wert beruht zunächst in ihrer kulturellen
Bedeutung für die Erkenntnis des Wesens und
der Aufgaben der Kunst, sowie der Zeitalter
und der Volkskunde. Die Stilarten haben aber
ausserdem ihre besondere Bedeutung für den
Gegenstand, den ich hier behandeln will: für
ihre Anwendung auf historische Darstellungen
inderbildenden Kunst. Hierbei kommt esnicht
in Betracht, ob die Stilarten mehr oder weniger
kultiviert sind. Es fällt ebensowenig ins
Gewicht, wie weit sich ein Stil entwickelt hat,
ob er unterbrochen wurde vor seinem Ab-

GERHARD MUNTHE

ODIN

blühen, oder ob er erreicht hat, was in seiner
Wesensrichtung lag. Unsere alte Tierornamentik
wurde in ihrer Entwicklung unterbrochen.
Gleichwohl können in diesem Stil Vorwürfe
aus der Wikingerzeit aufgefasst und dargestellt
werden. Denn Inhalt und Ausdruck
des nordischen Stiles sind ebenso ergiebig
und klar wie z. B. die gotische oder eine
andere Stilart,
die reichere Erzeugnisse
hinterlassen
hat. Für
den Illustrator
bedeutet eine
Stilartnicht,was
darin geschaffen
ist, sondern was
innerhalb ihrer

Richtung geschaffen
werden
kann. Eine
Zeitlang waren
wir Zeugen der

krankhaften
Sucht, die Renaissance
zum
bevorzugten Stil
zu macheninder

angewandten
Kunst, wie auch
zur Illustration
von Vorwürfen
aus alter und
neuer Zeit.

Ich erinnere
daran, dass Walter
Crane Homer
im Renaissancestil
illustriert
hat, obwohl
die homerische
Kultur
der prächtigsten
Bronzezeit angehört
. Viele
Künstler bedienen
sich jetzt
nicht mehr der
neuzeitigen Auffassung
, wenn

es sich um Motive der Vorzeit handelt, aber
es scheint mir ein sonderbarer Kompromiss
zu sein, dass man nur ein Stück Weges
geht, um sich dann in aller Eintracht in
jenem Modesalon der Renaissance zusammenzufinden
. Ich kann z. B. meine Verwunderung
nicht unterdrücken, dass Lorenz Frölich
die Edda vom Standpunkte klassischer Kunst-

GERHARD MUNTHE «KÖNIG HAA-
KON DER GUTE, DER (961) IN EINER
SCH LACHT FIEL, REITET ÜBER DIE
TODESBRÜCKE GEN WALHALL «

254


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