Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 258
(PDF, 126 MB)
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MARGARETHE VON BRAUCHITSCH

Im modernen Kunsthandwerk arbeitet die
Frau in regem Wettbewerb mit dem Mann.
Ueberlässt sie diesem auch grösstenteils diejenigen
Gebiete, in denen das Architektonische
, Konstruktive vorherrscht, so erobert
sie sich immer erfolgreicher den Boden, wo
das rein Dekorative, das Schmückende in
Betracht kommt, und der somit ihrem besonderen
Wesen recht eigentlich entspricht.
So schafft Margaret Macdonald in harmonisch
ergänzender Gemeinsamkeit mit ihrem
Gatten Charles R. Mackintosh. Ihre eigentümlich
stilisierten, gehämmerten Silberpaneele
und die legendenhaft poetischen Aquarelle,
welche uns zugleich primitiv und raffiniert
anmuten, sind erst vor kurzem in diesen
Blättern gebracht worden. — Ebenso steht
Edith Dawson in London als kongeniale Arbeitskraft
ihrem Gatten zur Seite; und in
Norwegen hat die Weberei ihr frisches Emporblühen
, die originelle und künstlerische
Betonung ihres alten nationalen Charakters
bei neuer selbständiger Formgebung vielfach
einer Frau zu danken: Frieda Hansen, an
deren Erfolge auf der Pariser Weltausstellung
wir nur zu erinnern brauchen. Auch bei
uns in Deutschland fehlt es nicht an ähnlichen
Beispielen. Speziell auf dem den
Frauen eigensten Feld, dem der Stickerei,
finden wir Berthe Ruchet, die feinsinnigverständnisvolle
Ausgestalterin von Hermann
Obrist's Meisterentwürfen, Elisabeth Erber,
deren meist in der Maschinenstickerei der

Vereinigten Werkstätten ausgeführte Arbeiten
treue Beobachtung der Natur, ornamentales
Talent und Geschmack erkennen lassen, und
manche andere. Neuerdings hat auch Margarethe
von Brauchitsch sich ganz dem
Gebiete der Nadelarbeit zugewandt. Es ist
eine seltene Vereinigung von künstlerischer
Begabung, Intelligenz und Energie in dieser
tapferen kleinen Frau, die offenen Auges und
mit immer fleissiger Hand, empfänglich für
Rat und Kritik und fördernde Einflüsse und
doch selbständig in Urteil und eigenem

KISSEN MIT MASCHINENSTICKEREI

KISSEN MIT MASCHINENSTICKEREI

Schaffen unermüdlich und unbeirrt vorwärts
strebt. Kleinere Arbeiten, die sie zum Teil
mit eigener Hand gestickt hat, später grössere,
die nach ihren Entwürfen unter Direktor
Krüger's Leitung in den Vereinigten Werkstätten
ausgeführt wurden, bezeichnen die
Anfänge ihrer kunstgewerblichen Thätigkeit
und sind ja zum Teil auch in der „Dekorativen
Kunst" reproduziert und besprochen
worden. - - Nun folgten Tapetenentwürfe, die
in ihrer Grosszügigkeit, in der Freiheit, mit
welcher die zu Grunde liegenden Motive
behandelt wurden, in der Kraft der Farben-
gebung etwas sehr Positives, Kühnes hatten.
Dieser grosse Zug Hess einem über manches,
das noch ungeklärt und zu wenig massvoll
schien, über einen gewissen Mangel an
letzter Verfeinerung der Werte u. s. w. hinweggehen
: man fühlte eine Persönlichkeit

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