Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 264
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0276
ZUR RETTUNG UNSERER ALTEN BAUTEN

Von Hermann Muthesius, London

Das neunzehnte Jahrhundert war in Bezug
auf die Entwicklung der Architektur und
die Beurteilung architektonischer Fragen ein
höchst merkwürdiges und steht damit in der
gesamten Kunstgeschichte einzig da. Man
verliess das Paradies künstlerischer Naivetät
und gelangte zu einer Würdigung aller Stile
der Vergangenheit. Aber man kam damit in
eine höchst kritische Lage in Bezug auf das
eigene Schaffen. Die Architektur, einst in
festgeschlossenen sicheren Bahnen gehend,
irrte bei allen Architekturstilen ratlos umher
, verlor dadurch bald jeden eigenen Halt
und gelangte schliesslich auf einen toten Punkt,
auf dem man nicht mehr weiter konnte.

Nicht genug damit, sie geriet in eine ganz
eigentümliche Stellung in Bezug auf unsere
alten Baudenkmäler. Diese hatten sich früher

verhältnismässiger Ruhe erfreut, hauptsächlich
deshalb, weil man sie nicht weiter beachtete
. Als die allgemeine, zur Nachahmung
reizende Schätzung vergangener Stile eintrat,
da fielen auch diese Baudenkmäler auf, und
sogleich regte sich der Wunsch, sie zu ihrer
alten Herrlichkeit wiederherzustellen. Damit
brach das merkwürdige Zeitalter der Wiederherstellungen
an. Man ergänzte jetzt fehlende
Teile, beseitigte Zusätze, brach beschädigte
Bauteile ab und richtete sie neu auf, überarbeitete
den ganzen Bau innen und aussen
und stellte ihn so her, dass er wie neu aussah
- - wobei man der Ansicht war, dass man
damit ein gutes Werk thäte und zur Ehre der
vaterländischen Kunst wirkte. In der Regel
bemerkte man allerdings nach kurzer Zeit,
dass die neuen Teile etwas hart und leblos

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