Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 269
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LA SOCIETE MODERNE DES BEAUX-ARTS

Von Henry Frantz, Paris

]~Ve Reihe der Pariser Winterausstellungen wurde
in diesem Jahre von der Societe Moderne eröffnet
, einer Künstlergruppe, deren erste Veranstaltung
im vorigen Jahre bei Presse und Publikum
grossen Beifall fand, und die soeben eine sehr erfolgreiche
Ausstellung in Dresden veranstaltet hat.

Das Hauptinteresse beanspruchten diesmal die
Gemälde des flämischen Malers Willaert, die
Landschaften des Engländers Wilfrid von Glehn
und die prächtigen Aquarelle Bourget's, über den
kürzlich ein Dresdener Kritiker schrieb, dass es
seit Hildebrandt's Tode keinen Aquarellisten gab,
„der die Kraft der Töne so zu meistern versteht
wie Bourget".

Was uns aber vor allem interessiert, das sind
die dort ausgestellten Werke der dekorativen Kunst.
Francis Auburtin, dessen dekorative Gemälde
auf der letzten Pariser Weltausstellung in dieser
Zeitschrift veröffentlicht wurden (siehe Jahrgang III,

g. bouy

schmiedearbeiten aus eisen

Heft 10, Seite 402/3) ist mit einigen sehr interessanten
neuen Arbeiten vertreten. Niemand kennt
besser wie er die Erfordernisse der dekorativen
Malerei in technischer Beziehung; er versteht es,
das Wesentliche des Vorganges in grossem Zuge
zusammenzufassen und verliert über dem Einzelnen
nie die Harmonie des Ganzen. Immer wieder ist
es das Meer, aus dem Auburtin seine Begeisterung
schöpft; diesmal sind es nackte Tänzerinnen am
Meeresstrande, die er mit leuchtendem und warmem
Farbenschmelz darstellt. In den Gebärden dieser
Frauengestalten in ihrer Schmiegsamkeit und
ihren reinen Linien drückt sich ein tiefes und
feines Empfinden antiker Schönheit aus. Wie
Meister Böcklin, nur in anderer Art, greift auch
Auburtin nun auf die heidnische Vorstellungswelt
zurück; nachdem er noch in seinen Malereien
des Marseiller Museums das Leben der Fischer
realistisch festgehalten hatte, scheint er sich jetzt
mehr einem Idealismus zuzuwenden, der
seiner inneren Neigung mehr entspricht. —
Als einen weiteren Versuch dekorativer Malerei
finden wir in der Societe Moderne ein
prächtiges Fragment Victor Prouve's aus
einem seiner nächsten grossen Fresken, ein
gut erfundenes und ansprechendes Werk.
Auch von seinem Können als Bildhauer
legt seine Giebelfassade eines Volkshauses
Zeugnis ab.

Neben vielem anderen Interessanten —
so den genügend bekannten Keramiken aus
dem Atelier Glatigny — lenken die Lederarbeiten
Waidmann's die Aufmerksamkeit
auf sich. G. Bouy behandelt Schmiedeeisen
mit gesunder Kraft und ohne Ziererei,
wie es dem Charakter des Materials entspricht
.

Das Lob Fernand Khnopff's als Maler
zu singen, hiesse Eulen nach Athen tragen.
Aber erst in neuester Zeit finden wir auch
ihn auf dem Wege sein vielseitiges und geschicktes
Können in den Dienst der angewandten
Kunst zu stellen. Sein Entwurf zu
einem Emaillebild ist ein reizendes Werk,
die Linien der Zeichnung sind sicher und
streng; die Harmonie grosser Blüten neben
einem Frauenkopf von jener vornehmen und
starren Schönheit, welche Khnopff vor allem
liebt, verspricht schon jetzt die beste Wirkung
von der Ausführung in Emaille, welche Technik
mit ihrem Farbenglanz nur allzu oft dient,
süssliche Banalitäten zu verkleiden.

Spicer-Simson stellte in diesem Jahre
zum erstenmale in dieser Vereinigung aus
und hat sich den Beifall der Kritik erworben.
Wie sein Lehrer Jean Dampt zeichnet auch
er sich auf den verschiedensten Gebieten
aus und schafft abwechselnd Skulpturen und
Illustrationen. Seine kleinen Büsten und
Statuetten, die von einem geläuterten Geschmack
zeugen und Meisterwerke ihrer Art
sind, vervollständigen sehr erfreulich den
Gesamteindruck der Ausstellung.

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