Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 272
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0284
-s?^> RAUMAUSGESTALTUNG BEI KUNSTAUSSTELLUNGEN

Schnitzerei begleitet. Die darüber befindliche
Wand ist mit einem Muster in Blau, Rot,
und Grün auf grauem Grunde verziert, die
oberen Partien wiederholen den grauen Grund.
Zwischen den vorerwähnten ornamentierten
Panneelen befinden sich Thüren, die in Nebenräume
führen, Kassen- und Garderobefenster
mit fassettierten kleinen quadratischen Spiegelglastafeln
und eine hübsch komponierte Hausuhr
. Das Ganze macht einen ernsten und
dabei festlichen Eindruck, ohne den Charakter
eines bescheidenen Vorraumes einzubüssen.
Der Hauptsaal zeigt nach oben freie Endigungen
, die abwechselnd kleine Verdachungen
aufweisen, als würden sie in die freie
Luft aufragen. Dieses Motiv, das man als
unzulässig bezeichnen müsste, wenn sich eine
feste Decke über den Raum spannen würde,
erweist sich als eine vollkommen erlaubte
Freiheit, weil die Wand nach oben von einem
lichtdurchlässigen weissen Stoff überspannt
wird, über dem sich unsichtbar und erst in
beträchtlicher Entfernung das Glasdach mit
seinen Eisenkonstruktionen spannt. Die Wände
sind in diesem Räume steingelb, in den

oberen Teilen heller, in den unteren dunkler,
und das Motiv der freien Endigung klingt
in den Ueberhöhungen der dunkleren Partien
in vereinfachter Weise wieder. Die Ein- und
Ausgänge sind mit goldenen Kranzgewinden
verziert, ebenso sind die Begleitornamente
der Ränder vergoldet, was gemeinsam mit
dem entsprechend gehaltenen dunkleren Sockel
einen ebenso vornehmen als einfachen und
dabei doch von einer gewissen Festesfreude
durchzogenen Zusammenklang giebt.

In ähnlicher Weise ist der blaue Saal mit
dem daran stossenden kleineren Raum in Rot
und Silber dekoriert und diesen beiden in
Farbe und Dimension intimer gehaltenen Interieurs
schliesst sich abermals ein etwas
grösserer gelber Saal an, wobei namentlich
auf das Zusammenwirken der Töne geachtet
wurde, was die vielfachen Durchblicke ungemein
anziehend gestaltet.

Wir sind weit entfernt, der Sache eine
Wichtigkeit über Gebühr beizumessen. Ohne
Zweifel ist die Zahl der Künstler, in Wien
wie anderwärts, nicht gering, die Aehnliches
mit demselben und vielleicht noch weit mehr
Erfolg durchzuführen im stände
sind. Aber darauf kommt es überhaupt
nicht an, sondern auf die
Bedeutung, welche eine derartige
Dekorationskunst für die Entwicklung
des Geschmacks im Publikum
besitzt, das aus diesen und
hundert ähnlichen Beispielen lernt,
welche Wichtigkeit die Umgebung
für ein Kunstwerk besitzt, und
daraus die naturgemässen Konsequenzen
für seine eigenen Wohnräume
zieht, das ferner bei solchen
Gelegenheiten sieht, wie unendlich
zahlreich die Möglichkeiten sind,
ästhetisch befriedigende Räume zu
schaffen, und begreift, dass nicht
reichliche Mittel, sondern künstlerisches
Empfinden dasjenige ist,
dem die Entscheidung zufällt.

JOSEF URBAN « ECKE DES GELBEN ZIMMERS IM NEUEN
AUSSTELLUNGSGEBÄUDE FÜR DEN WIENER HAGENBUND

Für die Redaktion verantwortlich: H. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.


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